Spannende und humorvolle kurze Erzählungen aus dem Leben eines Selbstversorgers.

Sheriff für einen Tag Teil 10 – Das letzte Kapitel

Sheriff für einen Tag Teil 10 – Das letzte Kapitel

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Schön, dass du wieder da bist und ich dir den Rest der Geschichte noch erzählen darf. Wenn ich sie dir nicht erzählen dürfte, dann würde sich bald niemand mehr daran erinnern. Daran, wie unglaublich gut die Brote von Bäcker Timm schmeckten oder daran, dass mein Vater gerne Doppelschnitten aß oder daran, wie du richtige Stöcker erkennen kannst. Und wo mein Baumhaus einmal war, könnte auch niemand mehr sagen. Das wäre fast so, als habe es all das nie gegeben, als sei es nie passiert. Und dabei ist es doch die Wahrheit und war damals wichtig.

Sheriff für einen Tag Teil 10

Fahren wir also mit der Geschichte fort, solange ich sie noch erzählen kann. Du hast ja sicher im Laufe der Zeit gemerkt, dass ich auch das ein oder andere nicht mehr so ganz genau weiß. Das liegt daran, dass das alles schon so lange her ist und ich viele Jahre nicht daran gedacht habe. Tatsächlich habe ich noch vorher noch nie jemandem von dem Tag erzählt, an dem ich damals Sheriff war. Und nur dadurch, dass ich dir nun davon erzähle, sind viele meiner Erinnerungen plötzlich wieder wach geworden.  Ohne das Erzählen wäre das vielleicht nie mehr geschehen. Um alte Geschichten vor dem Vergessenwerden zu bewahren, scheint mir das Erzählen doch eine wichtige Sache zu sein. Vergiss also nicht, auch deine Geschichten jemandem zu erzählen.

Nun soll es aber auch endlich losgehen, bevor mir wieder ganz andere Geschichten einfallen. Ich hatte mich ja gerade auf den Weg zur Straße gemacht, um mit meiner neuen Sheriffaufgabe „Freund und Helfer“ zu beginnen. Ich rannte also aus dem Garten nach vorn zur Bundestraße. Dort stand das grüne Ortsschild, auf dem in gelben Buchstaben „Ammerswurth“ stand. Das wusste ich genau, obwohl ich, wie du ja auch genau weißt, damals noch nicht lesen konnte.

Direkt an dem grünen Schild wollte ich erst einmal auf Menschen warten, die meine Hilfe benötigen würden. Mir schien das doch ein geeigneter Platz zu sein. So würde der Ammerswurther Dorfsheriff direkt am Ammerswurther Ortsschild zu finden sein. Jeder, der von Meldorf oder von Elpersbüttel aus durch Ammerswurth kommen würde, konnte mich dort gut sehen. Ich setzte mich also unter das Schild und stellte die blaue Tasche mit meiner Sheriffausrüstung neben mir ins Gras. Natürlich achtete ich darauf, dass mein Sheriffstern an meiner Sheriffhose gut zu sehen war und nicht etwa das T-Shirt ihn verdeckte. Ohne den silbernen Stern würde ja niemand erkennen, dass ich der Sheriff war. Schließlich war es doch mein erster Arbeitstag und die Menschen mussten mich ja erst noch kennenlernen.

Ich behielt die Bundesstraße genau im Blick und wartete darauf, dass der erste Autofahrer anhalten würde, um mich um meine Hilfe zu bitten. Radfahrer oder Fußgänger waren nämlich weit und breit nicht in Sicht. Dabei versuchte ich zu erraten, welchen Gegenstand von meiner Sheriffausrüstung ich wohl als erstes brauchen würde. Das Taschentuch vielleicht? Ja, das war gut möglich. Das Eukalyptusbonbon würde es wohl eher nicht sein, wenn mein erster Fall ein Autofahrer war. Alle Autos hatten ja schließlich ihre eigenen Handschuhfächer und in den meisten davon klebten sicher auch braune, scharfe oder irgendwelche anderen Bonbons. Da brauchten die Autofahrer meins nicht auch noch.

Irgendwann war ich in Gedanken alle Sachen aus meiner Tasche durchgegangen und hatte sie nach danach sortiert, wie nützlich sie für Autofahrer sein konnten. An die genaue Reihenfolge kann ich mich nicht mehr so ganz erinnern. Mein Bilderbuch war aber auf jeden Fall sehr nützlich, falls sich ein Kind hinten auf dem Rücksitz langweilte. Genauso das Geduldsspiel mit der Katze darauf. Nadel und Faden kamen auf einen der hinteren Plätze. Beim Autofahren verliert man ja wohl eher selten einen Knopf und während der Fahrt kannst du auch nicht gut nähen. Das ganze Überlegen dauerte schon eine Weile und es hatte noch kein einziges Auto angehalten. Kein Autofahrer kam auf die Idee, mich nach irgendetwas zu fragen, nicht einmal nach dem richtigen Weg nach Meldorf, nach Elpersbüttel oder zum Deich. Alle fuhren einfach vorbei.

 Auf dem Radfahrweg war auch niemand zu sehen. Wahrscheinlich machten die Radfahrer und Fußgänger alle gerade Mittagstunde wie meine Eltern. Wirklich eine langweilige Erfindung, diese Mittagstunde! Wer will schon bei so schönem Wetter drinnen im Bett liegen, obwohl er gar nicht krank ist? Ich zumindest nicht! Aber Langeweile bekam ich jetzt so langsam auch ein bisschen bei diesem Herumsitzen und Warten. Ich holte also mein kleines Buch heraus und guckte mir zweimal von vorne bis hinten an, wie Petzi einen Wal hütet. Danach kramte ich das Geduldsspiel heraus. Ich schaffte es dreimal, die beiden Kugeln in die Augen der Katze zu bekommen. Dann hatte ich keine Lust mehr dazu.

Hätte ich doch bloß ein paar mehr Bücher und Spielsachen mitgenommen, zum dumm! Ich nahm die große Nadel und das Garn aus der blauen Tasche und versuchte, das Ende des Fadens durch das Nadelöhr zu schieben. Das war ja auch so eine Art Geduldsspiel. Als ich gerade zum drittenmal das Garn angeleckt hatte, damit es sich besser einfädeln ließ, sah ich plötzlich aus Richtung Elpersbüttel ein Fahrrad herankommen. Na endlich! Ich ließ sofort Nadel und Faden in den Schoß fallen und setzte mich kerzengerade hin. Der Radfahrer war ein Mann in einem blauen Arbeitsanzug. Ich blickte ihm ermutigend entgegen. „Ich kann dir bestimmt weiterhelfen!“, dachte ich bei mir.

Als er näherkam, bemerkte er mich schließlich auch. Auf Höhe des Schildes angekommen, nickte er einmal und sagte: „Moin!“. Das war alles. Er fuhr einfach weiter, ob du es glaubst oder nicht.  Was für eine Riesenenttäuschung!  Mein kerzengerader Rücken sackte zusammen, als ich dem Mann nachblickte. Ich ließ die Hand, die ich schon an meiner Sherifftasche gehabt hatte, in den Schoß sinken und piekte mich dabei an der großen Nadel, die da ja auch noch lag. Aber nur ein bisschen, denn besonders spitz war sie zum Glück nicht. Dieses Sheriffsein war doch wirklich unfassbar schwierig! Dabei sah es in den alten Western im Fernsehen immer so einfach aus.

Etwas niedergeschlagen und ganz in Gedanken holte ich das Eukalyptusbonbon aus der Tasche und wickelte es vorsichtig aus. Es war ganz mit dem Bonbonpapier verklebt, so dass ich es mit den Zähnen abziehen musste. Aber es schmeckte schön scharf und irgendwie auch ein bisschen tröstlich. Während ich lutschte, versuchte ich mir einen neuen Plan auszudenken. Ich konnte ja schließlich nicht den ganzen Nachmittag langweilig und untätig hier im Gras unter dem Schild sitzenbleiben. Noch bevor ich das Bonbon aufgegessen hatte, war mir tatsächlich auch etwas eingefallen, das ich noch versuchen konnte, um meine Sheriffehre zu retten.

Und zwar war mir eingefallen, dass meine Mutter eines Abends draußen mal einen Jungen gefunden hatte, der sich verlaufen hatte. Die Geschichte war ein bisschen merkwürdig oder zumindest habe ich sie nicht ganz verstanden. Es war nämlich so, dass der Junge von zu Hause weglaufen wollte und sich dann im Dunkeln verlaufen hat. Die Frage, die sich mir damals gestellt hatte, war, wie du dich denn verlaufen kannst, wenn doch nur weglaufen willst. Er wollte zu gar keinem bestimmten Ort hin und dann kannst du ja eigentlich auch gar keinen falschen Weg nehmen. Aber so war es nun mal. Jedenfalls weinte er ganz schrecklich und meine Mutter brachte den Jungen ins Wohnzimmer, von wo aus er seine Mutter anrief. Dort weinte er weiter, bis sie schließlich kam und ihn abholte.

Das mit dem Weinen konnte ich schon verstehen. Als ich einmal von zu Hause weglaufen wollte, habe ich schon geweint,  als ich noch in meinem Kinderzimmer war. Ein bisschen geweint habe ich, weil ich wütend auf meine Eltern war. Warum ich das war, weiß ich beim besten Willen nicht mehr. Aber ich war auf jeden Fall wütend, sonst hätte ich ja nicht weglaufen wollen. Noch wütender wurde ich aber, als ich versuchte meine Sachen zu packen. Ich hatte mein Bett schon abgezogen und wollte das Bettlaken als erstes in meine Tasche stecken. Ich schaffte es auch, aber nur mit richtig feste drücken und quetschen und dann war die Tasche voll. Ich konnte doch nicht nur mit einem Bettlaken draußen schlafen. Und was war mit all meinen anderen wichtigen Sachen? Ich glaube, ich war noch wütender auf die zu kleine Tasche als auf meine Eltern. Und da habe ich dann richtig geweint und den Plan aufgegeben. Das Bett hat dann später meine Mutter für mich neu bezogen. Aber weglaufen wollen und weinen gehören wohl irgendwie zusammen. Jedenfalls war es bei den beiden Malen so, die ich miterlebt habe, bei dem Jungen und bei mir selbst.

Dass mir die Geschichte von dem Jungen wieder eingefallen war, war an dem Tag, an dem ich Sheriff war, aber nicht zum Weinen sondern ein richtiger Glücksfall. Es war doch eine gute Aufgabe, nach Menschen suchen, die sich verlaufen hatten und ihnen zu helfen, wieder nach Hause zu finden! Ein sehr guter Plan! Ich sprang sofort auf und schnappte mir meine  Sherifftasche, um augenblicklich mit der Suche zu beginnen und ich wusste auch schon wo.

Ein guter Platz, um dich zu verlaufen ist ein großes, hohes Weizenfeld, wie das in Ammerswurth hinter dem Graben mit meinem Kletterbaum. Wenn du noch nicht so groß bist, ist das Getreide fast so hoch wie du selbst, so dass du wirklich nicht weit gucken kannst. In so einem Meer aus hohen Ähren, die alle fast gleich aussehen, verirrst du dich ganz leicht. Aber falls sich in unserem Weizenfeld gerade jemand verirrt hatte, musste er keine Angst haben und brauchte auch nicht zu weinen, denn der Sheriff war ja bereits dahin unterwegs, um ihm sofort zu helfen.

Im Laufen fiel mir ein, dass ich ohne es zu ahnen, zwei Gegenstände eingepackt hatte, die genau für die Aufgabe, einen Verirrten zu finden, wirklich unglaublich nützlich waren. Die Trillerpfeife und das Taschentuch! Mit der Trillerpfeife konnte ich gut auf mich aufmerksam machen. Dann wüsste der Verirrte, dass Hilfe unterwegs war und konnte schon mal in die Richtung laufen, aus der das Pfeifen kam. Dann würde ich das große, blaue Taschentuch mit ausgetrecktem Arm über meinem Kopf schwenken, damit er mich in dem hohen Getreide ausmachen könnte.

Am Feld angekommen, holte ich also Pfeife und Taschentuch aus der Tasche. Ich steckte die Trillerpfeife zwischen meine Lippen,  zog sie aber sofort wieder heraus. Ach Mensch, ich hatte ja noch den Rest des Eukalyptusbonbons im Mund! Nun klebte die ganze Pfeife und das kleine Loch zum Hineinpusten war verstopft. So was Dummes! Ich zerkaute das Bonbon so schnell ich konnte und schluckte die letzten Krümel so schnell wie möglich herunter. Anschließend lutschte ich dann so lange an der Pfeife, bis sie nicht mehr klebte und das Loch wieder frei war. Ein kurzer Probepfiff. Ja, geschafft, die Trillerpfeife funktionierte tadellos.

Ich wanderte pfeifend in das Weizenfeld hinein und schwenkte dabei das Taschentuch so hoch über meinem Kopf wie ich nur konnte. Wer auch immer sich hier verlaufen hatte, musste mich von Weiten hören und mit ein bisschen Glück auch sehen. Ich hielt mich etwas am Rand des Feldes, von wo aus ich den Graben gerade noch sehen konnte. Es wäre ja ziemlich unpraktisch gewesen, hätte ich mich ausgerechnet auf der Suche nach verirrten Menschen noch selbst im Weizen verlaufen. Lieber auf Nummer Sicher gehen, dachte ich mir.

Die trockenen Weizenhalme raschelten, als ich mir meinen Weg durch das Feld bahnte. Die Ähren waren schon ganz groß und gelb. Wahrscheinlich würde bald Erntezeit sein. Oh, das waren immer tolle Tage Dann kamen Herr Huesmann und seine Leute mit ihren großen Mähdreschern. Das waren die größten Fahrzeuge, die ich kannte. Sie mähten und droschen von früh bis spät und ganz Ammerswurth duftete nach frischem Stroh und dem Korn, das in großen Hängern gesammelt und abtransportiert wurde.

Die Mähdrescherfahrer durften immer nur ganz kurze Pausen machen. Deshalb musstest du ihnen zum Frühstück, zum Mittag und zum Kaffee etwas zu essen direkt ans Feld bringen. Meine Mutter packte für jeden von ihnen ein paar Mal am Tag ein ganzes Körbchen voll leckerer Dinge. Doppelschnitten mit dem Brot von Bäcker Timm waren auch ganz oft dabei  und Kuchen und eine Kanne Kaffee. Gut, den mochte ich selbst natürlich nicht, aber die Mähdrescherfahrer fanden mit Sicherheit alles köstlich, was meine Mutter ihnen einpackte, denn sie ließen nie auch nur einen Krümel von irgendetwas übrig.

Manchmal durfte ich so ein Körbchen zu einem der Mähdrescherfahrer bringen, entweder zu Fuß oder mit meinem kleinen grünen Rad, wenn das Feld ein bisschen weiter weg war. Am Feld angekommen, musstest du das Körbchen dann abstellen und ganz doll winken, damit der Mann am Steuer dich bemerkte und wusste,  dass es endlich Essen gab und wo du es ihm hingestellt hattest. Nein, rufen hätte nichts genützt. So ein Mähdrescher ist wirklich laut, glaub mir. Und er macht auch jede Menge Staub, in seiner Nähe lässt du den Mund besser zu. Jedenfalls, Körbchen ausliefern tat ich gerne und freute mich schon darauf, als ich so durch den reifen Weizen marschierte.

Eine Sache gab es allerdings an der Erntezeit, auf die ich mich noch mehr freute und das waren die Abende. Wenn nämlich richtig gutes Wetter war, mähten die Mähdrescher bis spät in den Abend, manchmal in die Nacht. Dann machten sie vorne große Lampen an, um erkennen zu können, wo noch Getreide abzumähen war. Wenn sich so ein großer Mähdrescher mit einer hellen Lampe im Dunkeln durch ein Weizenfeld frisst, sieht das schon sehr beeindruckend aus. Aber manchmal machte Herr Huesmann es noch sogar beeindruckender.

Dann schickte er spät am Abend alle seine Mähdrescher zusammen auf das letzte Feld, das noch nicht fertig abgedroschen war. Das hättest du sehen sollen! Dicht nebeneinander zogen die riesigen Maschinen mit ihren großen Lampen ihre Bahnen und ließen das ganze Feld goldgelb leuchten, als läge es in hellem Sonnenschein, obwohl es rundherum stockdunkel war. Das Tollste kam aber zum Schluss. Wenn alle Ähren abgeerntet waren und auf dem Feld nur das liegengebliebene Stroh und die Stoppeln übrig waren, machten sich alle Mähdrescher auf den Weg zu unserem Hof. In einer Schlange hintereinander fuhren sie die Straße entlang. Vor Freude, dass die Ernte geschafft war, entzündeten sie orangeleuchtende Blinklichter auf ihren Dächern. Das sah aus wie ein Freudenfeuerwerk auf der Straße vor unserem Haus.

Ich stand dann am Fenster und freute mich über das Schauspiel in der Ammerswurther Nacht und natürlich darüber, dass ich ausnahmsweise so lange aufbleiben durfte. Erntetage waren immer für alle so aufregend, dass niemand daran dachte, mich ins Bett zu schicken. Mein Vater,  so glaube ich zumindest, freute sich auch immer über die blinkende Mähdrescherkolonne. Während er die Stunden vor dem Blinklichtfeuerwerk immer besorgt ausgesehen hatte und den Himmel nach Regenwolken abgesucht oder nach einem fernen Donnergrollen gehorcht hatte, sah er auch immer ganz glücklich und erleichtert aus, wenn Herr Huesmanns Mähdrescher blinkend und tösend auf den Hof gefahren kamen.

Meine Mutter konnte das leider nie mit uns zusammen genießen. An diesen besonders tollen Tagen musste sie nämlich bis in die Nacht in der Küche stehen. Die ganzen Mähdrescherfahrer waren immer schon wieder ganz hungrig, wenn sie schließlich mit dem Dreschen fertig waren, trotz der ganzen Körbchen, die wir ihnen über den Tag gebracht hatten. Mähdrescherfahren muss wirklich sehr anstrengend sein, mindestens so anstrengend wie Sheriffsein, denke ich. Deshalb  machte meine Mutter immer große Pfannen voller Bratkartoffeln und Spiegeleier. Da du ja nie genau wusstest, wann sie denn kommen würden, musste sie das Essen den ganzen Abend lang warm halten und aufpassen, dass nichts anbrannte. Aber irgendwann war es dann endlich soweit und all die hungrigen und staubigen Mähdrescherfahrer saßen in unserer Küche um die Bratpfannen herum, bis alles aufgegessen war. Dann fuhren sie mit ihren großen Mähdreschern blinkend durch die Nacht nach Hause. Was sie wohl bis zur Ernte im nächsten Jahr machten? Vielleicht hatten sie immer sehr lange Ferien.

Darüber und über vieles mehr dachte ich nach, während ich weiter mit dem Taschentuch winkte und auf meiner Pfeife pfiff. Ab und zu hielt ich inne und horchte angestrengt, ob von irgendwoher aus der Mitte des Feldes Hilferufe zu hören waren. Nichts! Alles, was ich hörte war das Blöken der Schafe im Apfelgarten und an und zu eine Kuh, die in der Ferne muhte. Inzwischen hatte ich schon das halbe Feld umrundet und es hatte sich noch kein einziger Verirrter gezeigt. Trotzdem setzte ich meinen Weg pfeifend und winkend fort, bis ich wieder an der Feldeinfahrt gegenüber von unserem Hof angekommen  war. Einmal ganz um das Feld herum war ich gelaufen.

Das war ein ziemlich weiter Weg gewesen, denn das Feld war wirklich groß und durch ein Kornfeld zu laufen ist auch viel anstrengender als zum Beispiel einen Weg entlangzugehen oder auf frisch gemähtem Rasen zu rennen. Ich war ganz schön erledigt und vom vielen Pfeifen und Winken auch etwas außer Atem. Natürlich war ich auch ein bisschen enttäuscht, dass ich wieder niemanden gefunden hatte, dem ich helfen konnte, aber ich meine mich zu erinnern, dass ich doch hauptsächlich ziemlich erschöpft war.

Also beschloss ich, mir nun einen Platz zu suchen, an dem ich mich ungestört ein bisschen ausruhen und die Lage trotzdem im Blick behalten konnte. Klar, mein Baumhaus wäre auch ein guter Ort dafür gewesen, da hast du Recht, aber in dem Moment hatte ich ein anderes Plätzchen im Sinn. Vor dem Hof von unserem Nachbarn Onkel Otto, der natürlich auch wieder nur so hieß, aber gar nicht mein Onkel war, gab es eine ganz dichte Weißdornhecke. Sie lief parallel zu der Teerstraße mit den pieksigen Steinen. Das Tolle an der Hecke war, dass es hinter ihr einen Geheimgang gab. Du konntest durch ein kleines Loch hinter die Hecke gelangen und dann ein ganzes Stück direkt neben der Straße weitergehen, ohne dass dich jemand sah. Am anderen Ende der Hecke gab es noch eine Öffnung, durch die du wieder auf den Weg zurückkamst.

Das war doch der perfekte Ort für eine kleine Pause. Ich konnte mich dort ein bisschen hinsetzen und durch das Loch auf die Straße spähen. So könnte ich schnell eingreifen, falls doch noch jemand den Sheriff brauchen würde, aber niemand würde bemerken, dass ichwährend der Arbeit gerade so was wie eine Mittagstunde machte. Ich lief also schnell über unseren Hof und durch den Obstgarten der Nachbarn bis zu der Weißdornhecke. Dort setzte ich mich im Schneidersitz auf den Boden. Gras wuchs dort zwar nicht, sondern es gab nur blanke Erde, dafür war es aber schön schattig und kühl. Das war doch recht angenehm, nach der anstrengenden Feldumrundung in der prallen Nachmittagssonne. Auf der Straße war niemand zu sehen. Also nahm ich nochmal „Petzi hütet einen Wal“ aus meiner Tasche und begann darin zu blättern. Das war ein bisschen langweilig, schließlich hatte ich mir die Geschichte an diesem Tag ja schon drei Mal angeguckt. Also packte ich es wieder ein und saß einfach nur so da, während ich ausruhte und auf Menschen wartete, die einen Freund und Helfer benötigten. Darüber muss ich wohl ganz kurz eingenickt sein.

Auf einmal schreckte ich auf. Ein lautes metallisches Klappern und Rasseln näherte sich. Das Geräusch an sich war es aber nicht, was mich erschreckte, denn es war mir wohl vertraut. Nein, ich erschrak, weil mir dieses Geklapper und Gerassel sagte: Sünje, du hast mal wieder komplett die Zeit vergessen und bist zu spät zum Abendessen dran. „Hoffentlich gibt das keinen Ärger.“, dachte ich etwas beunruhigt. Schon nach sechs, au backe.

Woher ich das wusste, fragst du? Na, ganz klar. Jeden Abend um sechs wurde alle Ammerswurther Kühe gemolken. Jeder Bauer füllte seine Milch in große silberne Metallkannen und brachte sie mit einem Handkarren an die Teerstraße, die rund um Ammerswurth führte. Dieses Klappern, das ich gehört hatte, war die Karre von Onkel Otto mit seinen Kannen. Also war er mit dem Melken schon fertig und es musste demnach schon ein ganzes Stück nach sechs Uhr abends sein. Um das zu wissen, brauchtest du keine Armbanduhr, denn bei allen Bauern wurde jeden Morgen und jeden Abend ganz pünktlich um sechs Uhr gemolken, egal, ob es ein normaler Arbeitstag, Sonntag oder ein Ferientag war. Darauf konnten sich die Kühe und auch du verlassen.

Tatsächlich kam Onkel Otto bereits in seinen blauen Arbeitssachen seine Hofeinfahrt herunter und begann die vollen Kannen von seiner Karre zu laden. Auf einmal jedoch hielt er inne und blickte direkt in meine Richtung. Ich weiß nicht, ob ich vielleicht ein Geräusch gemacht habe oder ob er einfach so eine Ahnung hatte, dass sich dort jemand hinter seiner Hecke versteckt hielt. Jedenfalls entdeckte er mich in dem Weißdorn und fragte grinsend: „Wat sit du doa achter de Heck, Sünje?“ Natürlich fragte er das auf Plattdeutsch und sprach dabei meinen Namen mehr aus wie „Sündsche“. So nannten mich damals alle Nachbarn. Onkel Otto wollte also gerne wissen, was ich da hinter seiner Hecke zu tun hatte.

Selbstverständlich verstand ich seine Frage und ich es hätte es ihm auch wirklich nur zu gern ausführlich erläutert, aber ich hatte nun wirklich keine Zeit mehr für Erklärungen. In dem Moment kam nämlich schon der Milchwagen von der Meierei aus Meldorf um die Ecke gebogen, um die vollen Kannen aus Ammerswurth abzuholen. Schließlich brauchten die Menschen in Meldorf ja auch frische Milch und dort gab es nicht eine einzige Kuh. Das wiederum bedeutete, dass es schon halb sieben war. Ich musste wirklich ganz dringend nach Hause. „Tschüß, Onkel Otto!“, rief ich und rannte los.

Es ging erst einmal schnell aber vorsichtig über die Teerstraße, dann über den schmalen, stinkigen Jaucherinnsal, der aus dem Kuhstall von Onkel Werner und Tante Marga in den Graben floss, dann quer durch den Obstgarten von Onkel Otto und Tante Marianne, über den Knick auf unseren Hof, vorbei an dem alten Pumpsklo, in dem ich die Banditen hatte einsperren wollen, rund um unser Haus bis nach vorne in den Garten. Schon am Plumpsklo hörte ich meine Mutter nach mir rufen: „Sünje! Süüüünje! Abendbrot!“

Ziemlich aus der Puste kam ich an der Haustür an, wo meine Mutter stand und nach mir Ausschau hielt. „Da bist du ja endlich.“, sagte sie als ich sie erreicht hatte, „Wir warten schon mit dem Essen auf dich.“ Zum Glück klang sie nicht böse und Essen klang richtig gut. Ich merkte erst in dem Moment, dass ich wirklich hungrig war. Schließlich hatte ich ja auch seit dem Mittag nichts mehr gegessen, mal abgesehen von dem klebrigen Eukalyptusbonbon. Eine Scheibe von Bäcker Timms leckeren Brot und ein frisches Glas Milch von Onkel Werners Kühen, das war jetzt genau das Richtige!

Ich wandte mich zur Tür, um in Haus zu gehen. „Halt Stopp!“ rief meine Mutter, mich von oben bis unten musternd, „Erstmal Füße waschen!“ Okay, also wie jeden Abend im Sommer, wenn ich den ganzen Tag barfuß herumgelaufen war. Ich ließ mich ins Gras fallen, während meine Mutter im Haus verschwand, um kurz darauf mit einer dampfenden Schüssel Seifenwasser und einem Handtuch wieder herauszukommen. Sie stellte die Schüssel vor mir ins Gras und ich tauchte meine, zugegeben doch ziemlich schmutzigen, Füße in das warme Wasser. Richtig schön viel Schaum war darauf! Schaum mochte ich gern, übrigens auch in der Badewanne, in der ich jeden Sonntagabend baden durfte.

Nach diesem anstrengenden Tag tat es richtig gut, einfach ein noch ein bisschen dazusitzen und den warmen Sommerabend zu genießen. Ich plantschte mit den Füßen in dem herrlich warmen Wasser. Ich konnte mir ruhig ein bisschen Zeit lassen. So schmutzige Füße müssen schließlich erst einmal ordentlich einweichen, bevor du sie überhaupt wieder sauber bekommst. Irgendwo über mir in einem der Bäume gurrte eine Taube. In dem Moment verstand ich meinen Vater zum ersten Mal, der manchmal, wenn er abends nach Hause kam, schwer seufzte und dann sehr müde sagte: „Feierabend.“ Das klang immer ganz zufrieden, obwohl er sehr müde war, und auch ein bisschen erleichtert. Nun hatte ich also auch mal Feierabend. Und ich muss sagen, ich fand das richtig schön, nach Hause zu kommen und Feierabend zu haben!

Aber als ich nochmal so richtig über meinen ersten Arbeitstag als Sheriff nachdachte, merkte ich, dass es mir doch nicht ganz so ging wie meinem Vater. Müde war ich genau wie er und auch ein bisschen erleichtert und hungrig obendrein. Aber zufrieden? Nein, ganz zufrieden war ich irgendwie nicht. Ich hatte von dem Banditen den Sheriffstern bekommen und war so zum Sheriff geworden. Ich hatte ziemlich gute Sheriffsachen zum Anziehen und eine tolle Pistole gefunden, aber trotz aller Mühen und Anstrengungen hatte ich keinen einzigen Banditen fangen können und dann auch noch meine Pistole verloren. Meine Hilfe hatte auch niemand gebraucht. Keiner hatte etwas von nützlichen Dingen in meiner Sherifftasche wissen wollen und niemand hatte sich im Weizenfeld verirrt, um von mir gerettet zu werden.

Wenn ich es nüchtern betrachtete, war das Ganze doch ein ziemlicher Misserfolg geworden. In Ammerswurth gab es einfach zu wenige Banditen und alle Menschen, die hier wohnten, schienen ziemlich gut ohne einen Dorfsheriff zurechtzukommen. Das Gefährlichste weit und breit war die Ponybande und gegen die kam ich auch als Sheriff nicht an, das war klar. Kurz gesagt, wirklich absolut niemand brauchte mich hier als Sheriff! Nein, keine Sorge, bei dieser Erkenntnis fühlte ich mich ausnahmsweise einmal nicht peinlich. Es hatte ja nicht an mir gelegen, ich hatte doch alles versucht. Es war einfach so, dass Ammerswurth nun mal der falsche Ort für diesen Beruf war. Im wilden Westen hätte ich Erfolg gehabt, da war ich mir absolut sicher.

Aber so, wie die Dinge nun einmal lagen, machte es keinen Sinn weiter Sheriff zu bleiben. Du würdest wahrscheinlich ja auch nicht dort Bäcker sein wollen,  wo niemand Brot mag oder Süßigkeiten anbieten, wenn nie jemand mit einem Fünfzigpfennigstück zum Tauschen vorbeikommt. Und nur wegen eines Berufes umziehen, wollte ich schließlich auch noch nicht. Also beschloss ich, das Sheriffsein aufzugeben. Ammerswurth hatte nun für einen ganzen, langen Tag einen Sheriff gehabt und niemand, so fürchte ich, hatte es überhaupt gemerkt, wie schwer ich an diesem Tag gearbeitet hatte.  Auch wenn es ein bisschen schade war, das musste nun reichen!  Bis ich zur Schule kommen würde, würde ich jetzt erst einmal nur Kindergartenkind ohne einen zweiten Beruf bleiben. Damit hast du schließlich schon genug zu tun. Denk zum Beispiel nur ans Liederlernen und einhändig Radfahren Üben.  Das ist anstrengend genug.

Eine allerletzte Sache wollte ich jedoch noch als Sheriff erledigen. Im Laufe des Tages hatte ich ja wohl alle Sachen aus meiner Sheriffausrüstung gebraucht, bis auf zwei – den grünen Kamm und den Spiegel mit dem gelben Griff. Das ging so nicht, schließlich wollte ich die ganze Sache doch wenigstens noch zu einem angemessenen, richtigen und kompletten Abschluss bringen. Außerdem kann es ja nicht schaden, sich nach einem ganzen Tag, an dem du draußen in der Sommerhitze herumgerannt und durch Weizenfelder marschiert bist, mal ein bisschen die Haare zu kämmen. Ich wusch mir also schnell meine Hände neben meinen Füßen im Seifenwasser, trocknete sie ab und holte Kamm und Spiegel aus meiner Sherifftasche, die ab morgen wieder nur die ganz normale blaue, stinkige Tasche sein würde.

Ich kämmte meine Haare. Allerdings nur ein bisschen, denn sie waren tatsächlich ziemlich verstrubbelt und das Kämmen ziepte einfach zu sehr. Der gute Wille musste reichen. Dann betrachtete ich mich in dem kleinen Spiegel. Allzu viel konntest du darin nicht erkennen. Zum einen war er eben wirklich klein, so dass dein ganzes Gesicht überhaupt nicht darauf passte, und zum anderen war das Spiegelbild auch nicht so scharf, wie zum Beispiel das von dem Spiegel in unserem Badezimmer. Ein bisschen was konnte ich aber immerhin doch sehen.

Ich war ein Mädchen. Ziemlich braungebrannt mit etwas verstrubbelten dunkelblonden Haaren. Ein bisschen sah ich noch aus wie ein Kindergartenkind, aber wie eins von den großen aus der Spatzengruppe, die bald in die Schule kommen, nicht wie eins von den kleinen aus der Häschengruppe. Ich war sicher, dass ich an diesem langen, anstrengenden Tag als Sheriff ein bisschen älter geworden war und das machte mich sehr zufrieden. Einen richtigen Beruf zu haben, half dir offenbar schneller älter zu werden, wenn er nur anstrengend genug war.  Ja tatsächlich, damals habe ich mich darüber noch sehr gefreut, älter zu werden. Heute ist das bei mir irgendwie nicht mehr ganz so wie früher, scheint mir. Nun denn. Jedenfalls steckte ich Kamm und Spiegel zurück in die Tasche – nun war alles erledigt, was ich jetzt an meinem letzten Arbeitstag als Sheriff noch hatte tun können.

Eines nahm ich mir in diesem Moment aber noch ganz fest vor: Für später in meinem Leben wollte ich mir einen Beruf aussuchen, der nicht so anstrengend und schwierig war. Tierärztin vielleicht oder Lehrerin. Ja, Lehrerin war doch eine tolle Idee. Als Lehrerin kannst du jeden Tag Schule spielen und das auch noch in einem echten Klassenzimmer mit einer richtig großen Tafel zum Malen! Und, ob du es glaubst oder nicht, Lehrerin bin ich dann viele, viele Jahre später tatsächlich mal geworden und das nicht nur für einen Tag. Damit war es dann aber auch so eine Sache, ein bisschen so wie mit dem Tag, an dem ich Sheriff war. Ich hatte es mir auch einfacher und irgendwie anders vorgestellt. Auf jeden Fall war es ganz, ganz anders als Schule zu spielen. Aber das ist natürlich schon eine neue Geschichte, die ich dir vielleicht irgendwann auch einmal erzählen kann.

Die Geschichte von dem Tag, an dem ich Sheriff war, endet nun hier im Garten, wo ich mir schließlich die Füße abtrocknete und dann über den kalten Terrazzoboden in die Küche tapste. Alle saßen schon am gedeckten Abendbrottisch und warteten auf mich. „Na, was hast du heute Schönes gemacht?“, fragte meine Mutter. „Och, nichts Besonderes.“, antwortete ich und merkte dabei, dass ich wirklich ganz schön müde war. Ich freute mich schon auf mein gemütliches Bett und die Gute-Nacht-Geschichte, die meine Mutter mir bestimmt vorlesen würde. Vielleicht würde sie mir ja auch noch eines ihrer schönen Lieder vorsingen.

Und morgen, ja, morgen würde ich einfach meinen freien Tag genießen. Nach all den Strapazen endlich mal ein freier Tag, ohne Verpflichtungen, Blamagen, Gefahren und vor allem Langeweile. Ich könnte mir eine Höhle bauen oder versuchen, die Schafe im Apfelgarten zu zähmen oder den ganzen Tag so tun, als ob ich ein Hund wäre oder mit meinem kleinen grünen Fahrrad zu Frau Timm fahren und mit ihr über Süßigkeiten verhandeln. Möglichkeiten über Möglichkeiten, ein ganzer, langer Tag voller Möglichkeiten. Das Leben ist doch zu schön!

Meine Pistole blieb übrigens für immer verschwunden, aber den silbernen Sheriffstern trug ich weiter an meiner Sheriffhose. So lange, bis ich so groß geworden war, dass sie mir nicht mehr passte und Sheriffhose und Sheriffstern irgendwann gemeinsam verschwanden. Ich habe beide nie wiedergesehen. Aber vielleicht hat ja noch ein anderes Kind große Abenteuer damit erlebt. Wer weiß?

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Sheriff für einen Tag Teil 9 – Freund und Helfer

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Geschichte, Sheriff für einen Tag Teil 9

Nun soll es also mit der Geschichte weitergehen, wie ich damals Sheriff war für einen Tag, irgendwann in den 70er Jahren, an einem warmen Sommertag in Ammerswurth. Und während ich dir erzähle, wie das alles damals war, fällt mir eine Sache auf: Damals waren die Tage so viel länger als sie es heute sind. Acht Tage habe ich nun schon von diesem einen Tag erzählt, das ist mehr als eine ganze Woche, und doch bin ich gerade erst beim Mittagessen angekommen. Erstaunlich, wie viele Abenteuer du damals an einem einzigen Tag erleben konntest, und trotzdem blieb dir noch genug Zeit, auch mal still dazusitzen, in die Welt zu schauen und gründlich nachzudenken.

So lang sind die Tage heute nicht mehr, zumindest nicht bei mir. Wenn du noch solche langen Tage erlebst, in die so viele Abenteuer, Erlebnisse und Pausen hineinpassen, solltest du sie so richtig genießen. Nur für den Fall, dass deine Tage später auch mal so kurz werden wie meine. In die passt manchmal fast gar nichts mehr hinein, fast so, als wäre es kurz nach dem Aufstehen schon wieder Zeit zum Schlafengehen. Mit so kurzen Tagen verpasst du wirklich viele schöne Sachen und das ist wirklich schade.

Aber zurück zu der Geschichte. Wir waren ja gerade an einer Stelle, an der ich mich mal so richtig beeilen musste. Ich wollte mich doch am Nachmittag als Freund und Helfer betätigen und versuchen, auf diese Weise doch noch ein guter, erfolgreicher Sheriff zu werden. Und für die gesamten, notwendigen Vorbereitungen blieb mir nur die kurze Zeit, in der meine Mutter vor der Mittagstunde die Küche aufräumte, was ja, wie ich schon sagte, immer sehr schnell ging. Danach würden meine Eltern sich zum Schlafen hinlegen und ich sollte solange draußen spielen, damit sie nicht gestört wurden.

Also machte ich mich, den letzten Bissen fast noch im Mund, an die Arbeit. Ich half überhaupt nicht beim Abwaschen und Abtrocknen. Wenn ich es recht bedenke, war das eigentlich gar nicht so nett von mir. Als angehender Freund und Helfer wäre das doch die Gelegenheit für eine erste gute Tat gewesen. Aber auf die Idee bin ich damals wohl gar nicht gekommen.

Ich rannte also aus der Küche, den langen Flur entlang, die Treppe hinauf, den oberen Flur entlang und erreichte schließlich mein Zimmer. Dort suchte ich zunächst nach einer passenden Tasche für meine Sheriff-Ausrüstung. Die Sheriffs in den alten Western haben natürlich immer große Satteltaschen aus Leder für die wichtigen Dinge, die sie täglich dabei haben müssen. Die Satteltasche trägt dann ihr Pferd für sie. Nun hatte ich leider weder ein Pferd noch eine Satteltasche. Ich würde meine Ausrüstung wohl oder übel selber tragen müssen.

Mir blieb die Wahl zwischen drei verschiedenen Taschen. Da war zunächst mal meine Kindergartentasche. Als ich sie an ihrem Haken neben der Tür hängen sah, war mir sofort klar, dass sie als Sherifftasche nicht zu gebrauchen war. Sie war einfach viel zu klein. Mehr als ein in Papier gewickeltes Brot und vielleicht noch ein Apfel passten nicht hinein. Da brauchte ich schon etwas deutlich größeres.

Auf unserem Dachboden stand so eine richtig große Tasche. Das war die Reisetasche meiner Mutter. Soweit ich mich erinnern konnte, war sie noch nie verreist, aber sie hatte trotzdem eine. Diese Tasche hatte zwei Griffe zum Tragen, war braun und so groß, dass ich fast bequem darin sitzen konnte.  Sicher hätte ich in dieser Tasche eine Menge nützlicher Dinge verstauen können, aber wie sollte ich dieses Ungetüm den ganzen Nachmittag mit mir herumschleppen? Selbst wenn sie leer war, musste ich sie eher hinter mir herziehen als dass ich sie tragen konnte. Und das, obwohl ich ziemlich stark war. Nein, Mamas Reisetasche war auch nicht das richtige.

Also blieb nur noch eine andere Tasche übrig, die ich für meine Sheriff-Ausrüstung verwenden konnte. Bei dieser Erkenntnis seufzte ich kurz. Das war die blaue Umhängetasche! Was es da zu seufzen gab? Naja, die blaue Tasche mochte ich nicht besonders. Ich hatte sie irgendwann einmal von jemandem geschenkt bekommen, der sie wohl auch nicht so besonders gern mochte. Sie war blau und rechteckig und sah ein bisschen aus wie ein kleiner Koffer. Oben hatte sie einen breiten Gurt, mit dem du sie dir über die Schulter hängen konntest. Zugegeben, das war ja eigentlich recht praktisch.

Aber leider hatte sie einen anderen, entscheidenden Nachteil: innen drin roch sie wirklich komisch. So ein bisschen wie die dunkle Kammer unter unserer Treppe, in der meine Mutter Putzlappen und Besen aufbewahrte, nur noch ein bisschen schlimmer. Merkwürdig süßlich, alt und staubig würde ich sagen, so, als hätte vor langer, langer Zeit jemand  einen Apfel darin vergessen, der dann irgendwann vergammelt und zu Staub zerfallen war. Ja, die blaue Tasche! Das half nun alles nichts, eine andere hatte ich nun mal nicht und ein bisschen Gestank musste ein gestandener Sheriff wohl auch aushalten können, um nicht als Feigling dazustehen.

Ich holte also die blaue Tasche aus ihrer Ecke hervor und begann in Windeseile alles hineinzustecken, was mir bei meiner neuen Aufgabe, anderen Menschen zu helfen, nützlich erschien. Lass mich kurz überlegen, was das alles genau war. Ich bin grad etwas abgelenkt, weil ich immer noch den Geruch aus dem Inneren der Tasche in der Nase habe. So, als stünde sie direkt wieder vor mir, obwohl ich sie seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen und gerochen habe. Manche Erinnerungen bräuchten meinetwegen nach so langer Zeit nicht mehr ganz so lebendig zu sein, jedenfalls nicht ausgerechnet die unangenehmen.

Ob ich nun noch wirklich alle Gegenstände zusammenbekomme, kann ich nicht mit Gewissheit sagen, aber an ein paar Sachen erinnere ich mich deutlich. Zunächst einmal packte ich den kleinen grünen Kamm und den kleinen Spiegel mit dem gelben Griff ein. Es war ja gut möglich, dass ich jemanden mit verstrubbelten Haaren treffen würde, der sich dringend kämmen musste. Mein Vater hatte für einen solchen Fall zwar immer selbst einen Kamm in der Jackentasche, aber jemand anders könnte seinen Kamm ja auch mal vergessen haben.

Dann steckte ich noch eine kleine silberne Trillerpfeife ein. Die könnte sich möglichweise als nützlich erweisen, zum Beispiel, wenn jemand seinen Hund verloren hatte oder das Pfeifen noch nicht gelernt hatte oder dummerweise gerade heiser war oder vielleicht einfach mal Lust hatte, auf einer Trillerpfeife zu pfeifen. Praktisch in vielerlei Hinsicht!

Als nächstes entschied ich mich noch für ein ganz kleines Bilderbuch, ich glaube, es hieß „Petzi hütet einen Wal“ und ein Geduldsspiel. Das war so ein rundes, durchsichtiges Plastikdöschen mit dem Bild einer Katze und zwei kleinen silbernen Kugeln darin. Die Augen der Katze waren runde Vertiefungen. Du musstest die kleine Dose vorsichtig hin und her bewegen und dabei versuchen, die silbernen Kugeln in die Katzenaugen zu bugsieren. Und zwar so, dass beide gleichzeitig in den Vertiefungen lagen. Die erste durfte nicht wieder herauskullern, bevor auch die zweite drin war. Das war ganz schön kniffelig und konnte ziemlich lange dauern.

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Eine Katze ist zwar nicht dabei, aber diese kleinen Geduldspiele aus Holz sind eigentlich viel hübscher als meine Plastikdose von damals es war.

Wozu ich ein Buch und ein Spiel mitnehmen wollte, fragst du? Nun, das waren doch wirklich ausgesprochen nützliche Sachen! Stell dir nur vor, jemand hätte meine Hilfe gebraucht, weil ihm gerade langweilig war. Ich hätte doch als Sheriff ja keine Zeit gehabt, selber mit ihm zu spielen, damit ihm nicht mehr langweilig war. Also musste ich doch etwas dabeihaben, mit dem sich auch jemand ganz allein beschäftigen konnte.

Das waren nun auch schon alle Sachen,  von denen ich noch weiß, dass ich sie aus meinem Zimmer mitgenommen habe. Bestimmt war das nicht alles, aber ich komme gerade nicht darauf, was ich da noch eingepackt haben könnte. Vielleicht fällt es mir ja später noch ein. Ich erzähle einfach erst mal weiter. Da war nämlich noch etwas aus dem Badezimmer und etwas aus dem Wohnzimmer, an das ich mich ganz sicher erinnere.

Aus der Schublade im Badezimmer suchte ich mir ein blaues Taschentuch heraus, faltete es zusammen und steckte es in meine blaue Tasche. Das passte farblich doch recht gut, schien mir. Wieso wir blaue Taschentücher hatten? Was ist denn das für eine eigenartige Frage? Ach natürlich, entschuldige, ich habe nicht richtig nachgedacht. Heute habt ihr ja alle nur noch Papiertaschentücher! So etwas gab es bei uns damals noch nicht.

Unsere Taschentücher waren alle aus Stoff. Die gab es in allen möglichen Farben. Mein Vater hatte viele mit einem blauen oder braunen Muster, meine Mutter hatte weiße mit einer kleinen gehäkelten Borte und ich hatte ein paar kleinere in Rosatönen und ein grünes. Taschentücher bekam man damals zum Geburtstag und zu Weihnachten geschenkt. Dann waren sie noch richtig glatt und ganz ordentlich zusammengefaltet.

Wenn du dein Taschentuch benutzt hattest, kam es erst in die Waschmaschine, dann an die Wäscheleine und anschließend in die Schublade im Badezimmer. Dann war es nicht mehr schön glatt und ordentlich gefaltet, sondern ein bisschen knitterig. Es sei denn natürlich, du hast es richtig ordentlich gebügelt. Meine Mutter hat das nie gemacht, wahrscheinlich hatte sie keine Zeit oder keine Lust dazu oder sie fand es nicht so wichtig, weil man sich auch mit einem knitterigen Taschentuch gut die Nase putzen kann.

Ich selbst fand das auch nicht so wichtig. Trotzdem habe ich ein paar Mal versucht, unsere Taschentücher mit meinem Kinderbügeleisen zu bügeln. Das hat aber gar nicht wirklich geklappt. Obwohl es schon so ein Bügeleisen mit Strom wie das von meiner Mutter war, eben nur in kleiner, wurde es gar nicht richtig heiß  und die Taschentücher blieben einfach knitterig, egal wie lange du darauf rumgebügelt hast. Das war doch recht langweilig und ich habe das Bügeln aufgegeben. Irgendwann später habe ich dieses Kinderbügeleisen auf dem Flohmarkt verkauft. Heute habe ich zwar eins, das so groß ist und so heiß wird wie das von meiner Mutter, aber aus irgendeinem Grund macht mir auch damit das Bügeln keinen Spaß.

Wie dem auch sei, jedenfalls hatte ich nun ein blaues Taschentuch von meinem Vater in meiner blauen Tasche und würde jedem helfen können, der mich mit einer Schnoddernase um Hilfe bitten würde. Er musste zwar damit Vorlieb nehmen, dass es ein wenig knitterig war, aber zumindest roch es viel, viel besser als meine Tasche. Ach, übrigens finde ich es im Nachhinein ziemlich umsichtig von mir, dass ich überhaupt an ein Taschentuch gedacht habe. Ich selber habe nämlich draußen so gut wie nie eines benutzt.

Das war ja auch vollkommen unnötig, denn in Ammerswurth gab mehr als genug Blätter, die sich hervorragend zum Naseputzen eigneten. Wenn du die richtigen Blätter dafür kennst, hast du immer ein frisches Taschentuchblatt zur Hand und musst kein nasses, schmutziges Taschentuch mit dir herumtragen und es später auch nicht waschen oder eben wegwerfen, wenn du diese Papiertaschentücher benutzt.

Welche Blätter die richtigen sind, fragst du? Die von der Buche oder der Eiche sind es zum Beispiel nicht, denn sie sind viel zu klein. Die von dem Ahorn sind es auch nicht. Sie haben zwar schon die richtige Größe, sind aber viel zu glatt, um deine Nase ordentlich abzuwischen. Im Notfall gehen Ahornblätter aber zumindest ein bisschen. Richtig ungeeignet sind natürlich alle Blätter, die irgendwie rau und pieksig sind. Aber das versteht sich wohl von selbst. Du brauchst etwas großes, möglichst weiches. Ganz besonders tolle Draußen-Taschentücher sind zum Beispiel die Blätter vom Wollziest oder von der Kronenlichtnelke. Die haben so kleine Härchen, die sie  weich und flauschig  machen. Sie sehen nicht nur hübsch aus und fühlen sich gut auf der Haut an, sie machen auch deine Nase richtig schön sauber, glaub mir.

Aber wir waren ja gerade bei meiner Sheriffausrüstung. Also weiter mit der Geschichte! Jetzt musste ich noch schnell ins Wohnzimmer! Dort stand ein kleiner Tisch mit zwei Schubladen. Das war das Nähtischchen meiner Mutter, in dem du die tollsten Sachen finden konntest. Zum Beispiel ganz viele tolle Knöpfe! Zwei davon sahen aus wie Diamanten und glitzerten in der Sonne. Echte Diamanten waren es aber nicht, glaube ich,  wertvoll fand ich sie auf jeden Fall. Meine Mutter sicher auch, denn sie hat sie nie an ein Kleidungsstück angenäht, wenn irgendwo ein Knopf fehlte, ich denke aus Angst, sie könnten verloren gehen. Im Nähtischchen waren sie auf jeden Fall besser und sicherer aufbewahrt.

Also nahm ich die Diamantknöpfe diesem Tag natürlich auch nicht mit. Ich suchte mir zwei schwarze Knöpfe aus der Schublade heraus. Von denen hatte meine Mutter ganz viele, also war es sicher in Ordnung, sie im Notfall an jemanden zu verschenken, der einen Knopf von seiner Jacke oder seiner Hose verloren hatte. Dazu packte ich noch eine Rolle weißes Garn und eine ganz große Nadel in meine Tasche. Die großen fand ich persönlich ja viel praktischer als die  kleinen Nadeln, mit denen meine Mutter immer nähte. Bei den kleinen war es doch fast unmöglich, den Faden durch das winzige Nadelöhr zu bekommen. Das ging bei den großen viel leichter und schneller. Und als Sheriff musste ich ja schließlich schnell sein, um möglichst vielen Menschen  helfen zu können. Da konnte ich mich nicht stundenlang mit dem Einfädeln von Nähgarn aufhalten.

So langsam war meine kleine, blaue Tasche gut gefüllt und ich war auch wirklich schnell gewesen, denn ich hörte meine Mutter noch in der Küche hantieren, als ich durch den Flur zur Hintertür lief. Eine letzte Sache wollte ich noch einpacken, bevor ich meinen Dienst als Freund und Helfer aufnahm und die musste ich draußen im Stall suchen. Dort standen alle Geräte und Fahrzeuge, die mein Vater und seine Leute für ihre Arbeit auf den Baustellen und den Feldern brauchten.

Die Fahrzeuge wie der rote Trecker und der grüne Unimog waren nie abgeschlossen. Also konntest du jederzeit hineinklettern und zum Beispiel ein bisschen Treckerfahren spielen. Natürlich nur so auf der Stelle, obwohl ich jederzeit hätte versuchen können, in echt loszufahren. Es steckten nämlich auch sämtliche Schlüssel in den Zündschlössern. Das habe ich natürlich nie gemacht.

Zum Treckerfahrer-Spielen hatte ich an diesem Tag ohnehin keine Zeit. Ich wollte mir nur die Handschuhfächer angucken. Darin konntest du neben Handschuhen, Straßenkreide, Gummibändern und anderem nützlichen Kleinkram nämlich auch ganz oft Bonbons finden. Das waren immer die gleichen, in grünes Papier gewickelte, braune, ganz scharfe Bonbons. Heute weiß ich, dass es Eukalyptus-Bonbons waren, aber damals kannte ich so ein schwieriges Wort wahrscheinlich noch nicht. Ich nannte sie immer nur „scharfe, braune Bonbons“.

Meistens hatten sie da im Trecker oder im Unimog schon ziemlich lange herumgelegen, denn sie waren fast immer ganz klebrig. Kennst du so alte Bonbons? Die sind außenherum  schon ganz weich geworden und das ganze Weiche klebt dann am Bonbonpapier fest. So schlimm ist das aber nicht. Du kannst die weiche Masse auch gut vom Papier ablecken und den Bonbon trotzdem noch essen. Vielleicht werden deine Finger ein bisschen klebrig, aber die kann man ja auch ablecken.

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Auch heute gibt es diese braunen, scharfen Bonbons noch und ganz sicher werden sie genau so weich und klebrig wie früher, wenn du sie zu lange im Warmen liegen lässt.

Nach diesen Bonbons wollte ich jetzt suchen, denn etwas Essbares fehlte schließlich noch in meiner blauen Sherifftasche. Das musste ich ändern, wenn ich ein guter Freund und Helfer sein wollte. Das wäre ja sonst schön was geworden, wenn da plötzlich ein armer, hungriger Mensch vor mir gestanden hätte und ich nicht die kleinste Kleinigkeit zu essen dabei gehabt hätte. Zugegeben, richtig satt macht so ein altes Bonbon natürlich nicht, aber im Notfall ist es doch besser als gar nichts. Das wusste ich aus Erfahrung. Die alten Bonbons hatten mich schon oft gerettet, wenn ich bei einem anstrengenden Spiel im Stall furchtbar hungrig geworden war und keine Zeit hatte, ins Haus zu gehen und dort etwas zu essen. Ein kleines bisschen halfen sie auch immer gegen Durst. Zumindest kam es mir so vor.

An diesem Tag hatte ich bei meiner Bonbonsuche auf Anhieb Glück. Ich war in den grünen Unimog geklettert und ja, um dort hineinzukommen, musstest du wirklich klettern. Der war nämlich ganz schön groß und hoch, aber für die Bonbons oder ein Stück Kreide lohnte sich die Mühe. Und diesmal waren tatsächlich Bonbons da, sogar mehrere, vier oder fünf Stück, meine ich. Genau kann ich es nicht mehr sagen, es war nämlich mehr eine Art Bonbonklumpen, der an den Handschuhen und dem anderen Kleinkram in der Ablage klebte. Ich puhlte jedenfalls einen der Bonbons heraus und steckte ihn zu den anderen Sachen in meine blaue Tasche. Schnell noch die Finger abgeleckt und meine Vorbereitungen für den Nachmittag als Sheriff waren erfolgreich abgeschlossen. Wenn das nicht ein vielsprechender Start war!

Mit meiner perfekt vorbereiteten Ausrüstung in der Tasche verließ ich den Stall, lief einmal ums Haus und setzte mich auf meine Schaukel, die an unserem großen Kirschbaum hing. Dort wollte ich noch kurz warten, bis meine Mutter in der Küche fertig war und ins Bett gehen würde. Vorher würde sie sicher noch durch die Tür in den Garten schauen, um sicherzustellen, dass ich schön draußen spielte, wie sie es mir gesagt hatte. Die Schaukel war von der Tür aus gut zu sehen und zu schaukeln galt sicher als Draußen-Spielen. Und tatsächlich, wenig später winkte meine Mutter mir von der Tür aus zu. Nun konnte es losgehen. Sheriff Sünni, dein Freund und Helfer, war bereit, jedem zur Hilfe zu eilen, der Hilfe brauchen würde an diesem Sommertag in Ammerswurth.

Ich sprang von meiner Schaukel  und machte mich sofort auf den Weg zur Straße, damit mich niemand übersehen würde, der gerade Hilfe brauchte.

Ach, das ist es, was ich vorhin meinte: Nun bin ich erst so wenig mit der Geschichte vorangekommen und es ist schon wieder so spät geworden. Meine Tage sind tatsächlich viel kürzer als sie früher waren. Das bilde ich mir wirklich nicht ein. Aber was hilft es? Ich erzähle dann beim nächsten Mal weiter. Und ich glaube, dass wir dann tatsächlich zum Ende meines Tages als Sheriff kommen werden. So langsam wird es ja auch Zeit. Ich habe doch noch so viele andere Geschichten erlebt, die ich dir alle auch gerne erzählen möchte.

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Für die kleinen Schnoddernasen von heute gibt es etwas Besseres als Papiertaschentücher, z.B. diese niedlichen Kindertaschentücher aus fair gehandelter Bio-Baumwolle.

Hast du Lust weiter zu lesen? Hier geht es zum nächsten Teil der Sheriff-Geschichte:

Noch mehr Geschichten und Anekdoten findest du in unserem Schreibstübchen:

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WeiterlesenSheriff für einen Tag Teil 9 – Freund und Helfer

7 Diät-Tipps für Selbstversorger -Weg mit dem Speck – Satire –

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Diät-Tipp 2: Hund gegen nächtliche Hungerattacken

Wenn Nachts der Hunger kommt und du dir noch mal eben schnell die schmackhafte Scheibe Käse aus dem Kühlschrank holst und auf ein leicht geröstetes Toastbrot mit schmelzender Butter legst, plus Tomate für das gute Gewissen, dann lege sie kurz ins Wohnzimmer, bevor du den ersten Bissen nimmst. Dort liegt nämlich der Hund! Zack, weg ist das Toastbrot. Du bist glücklich, der Hund auch und die Kalorien sind irgendwie auf die Couch gewandert, ohne dass DU dort liegst, anstatt auf deine Hüften.

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Diät-Tipp 3: Mit dem Hund zur Low-Carb-Ernährung

Du nimmst zu viele Kohlenhydrate zu dir?  Das lässt sich ganz einfach vermeiden. Zeig deinem Hund, wie man die Kartoffeln im Garten erntet und sie anschließend vor Fressfeinden wie dir schützt.  Das muss ein ganz wichtiger Auftrag für ihn werden! Ein guter Wachhund passt auf, auch auf seine Kartoffeln. Die nimmt ihm niemand so schnell weg, auch du nicht! So bleiben die Kohlenhydrate in der Kartoffel und wandern nicht in dein Doppelkinn. Du isst stattdessen ein Blatt vom Löwenzahn. Dann bist du zwar nicht satt,  nimmst aber gewiss nicht weiter zu!

Diät-Tipp 4: Ganzjährige Vogelfütterung gegen die unbändige Lust auf Müsli

Du isst zum Frühstück am Liebsten dick gezuckerte Cornflakes oder so ein richtig süßes Knuspermüsli mit Schokostückchen? Das muss nicht sein! Komm weg vom ungesunden Frühstück mit diesem einfachen Tipp: Füttere deine Vögel das ganze Jahr über! Füttere sie mit allen möglichen Kernen und Körnern, sodass sie fit und kugelrund werden! Sie brauchen ja schließlich in der heutigen Zeit Unterstützung, wo die ordentlichen Gärtner ihre verblühten Samenstände im Garten abschneiden, weil sie hässlich und braun geworden sind. Du willst den Vögeln doch nicht das Frühstück wegessen? Also lass das mit dem Müsli und iss einen Apfel. Wenn du das ganze Jahr über so viel Müsli vor Augen hast, vergeht dir vielleicht ohnehin der Appetit darauf. Wenn das alles nicht hilft, guck dir nochmal die dicke, aufgeplusterte Amsel an! So willst du doch nicht enden, oder?

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Diät-Tipp 5: Hühner als Proteinverbrenner

Hühnerhaltung ist für einen Selbstversorger doch wirklich etwas Interessantes. Täglich frische Eier, nicht diese komischen ovalen Dinger mit Stempeln drauf aus dem Supermarkt, welche sich fälschlicherweise Eier schimpfen dürfen. Nein, richtig schöne frische Eier, am besten gleich drei in die Pfanne, wenn der Hunger kommt. Eier, Butter, Speck – ja, das landet alles wieder auf deinen Rippen!  Die Hühner können dir helfen, diese Kalorien wieder loszuwerden, bevor sie überhaupt in deinen Mund gefunden haben: Geh mit deinem schmackhaften Snack zu deinen Hühnern. Dann schau ihnen in die Augen und sag ihnen, dass das alles hätten niedliche Küken werden können. Dir vergeht garantiert sofort der Appetit! Lass den Teller übrigens ruhig im Hühnergehege. Deine Hühner werden eine angemessene Beerdigungfeier sowohl für die Küken als auch für die Kalorien abhalten Sie veranstalten einen Leichenschmaus und du ersparst dir ein paar zusätzliche Pfunde.

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Deine Hühner können auch wunderbar tierische Proteine vertragen. Spendiere ihnen doch mal ein paar getrocknete Mehlwürmer als feine Nascherei.

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Diät-Tipp 6: Puten gegen schlabbrige Hälse und Oberarme

Kennst du schon die Puten-Brot Diät? Hast du vielleicht sogar Puten im eigenen Garten? Nein? Dann schaffe dir schnellstmöglich welche an, denn Puten machen schlank. Die schlappen, schlabbern und glucksen den ganzen Tag nur rum, wie viele von uns auch. Aber wenn dann abends der große Hunger kommt, zum Beispiel auf dein gerade frisch gebackenes Brot, dann kommt die Pute ins Spiel. Die Kruste des Brotes ist ganz knackig geworden, die Kräuter duften schon aus dem schmackhaftem Laib heraus. Doch dann hörst du die Pute abends im Dämmerlicht schlappen und glucksen und du stehst wieder vor dem Spiegel. Die frische,  duftende Scheibe deines Kräuterbrotes in der Hand. Hör auf die Geräusche der Puten und wackle dabei mit dem Kopf und dem Armen! Na, formuliert sich die alles entscheidende Frage schon in dein Bewusstsein?  Noch nicht? Dann hüpfe noch mal ein bisschen vor dem Spiegel  auf und ab,und lausche dem Schlappen, Schlabbern und Glucksen der Puten! Nun muss sie doch kommen, die Frage der Fragen:  Möchte ich wie eine Pute sein? Schlappen, schlabbern, glucksen? Nein, willst du nicht! Also: Weg mit dem Brot, hör auf deine Puten! BONUS! Gratis Extra-Tipp: Die Puten warnen dich nicht nur, sie übernehmen auch gerne die kostenlose Entsorgung der unnötigen Kalorien. Überlass das böse Brot nur ihnen.

Diät-Tipp 7: Fettfalle „Salat“ einfach erkennen und bekämpfen

Salat macht ja nicht fett. So die landläufige Meinung. Da käme man ja schon mal auf die Idee, den einfach im Garten anbauen zu wollen, um sich gesund und kalorienarm zu ernähren. Dann wächst und gedeiht er fatalerweise  auch noch  prima und du wähnst dich auf der sicheren Seite. Weit gefehlt! ACHTUNG! Genau hier lauert eine der gefährlichsten Fettfallen überhaupt!

Dieses Gemüse ist äußerst trügerisch. Ein frischer, junger Salatkopf wird zum Verführer. Zum Anbeißen seine sinnlichen, zarten Blattspitzen. Im warmen Morgenlicht perlen die glänzenden Tautropfen in geradezu erotischer Manier von ihm ab und er lockt dich mit seinen knackigen Rundungen. „Ernte mich!“, versucht er dich zu verführen. Und natürlich kriegt er dich herum, du nimmst ihn mit ins Haus, bereit dich ihm vollends hinzugeben. Dann kommt der große Heißhunger. Es werden die Ölflaschen aus dem Vorratsraum geholt. In wilder Gier wird der Salat zerrupft, die Lust steigt ins Unermessliche.

Nun die grausame Wahrheit, hier schonungslos aufgedeckt: Genau das war von Anfang an sein perfider Plan! Der Salat zeigt sein wahres Gesicht! Jetzt kommt’s: Sobald er in der großen Schüssel eine Verbindung mit Öl und Kräutern eingegangen ist, verwandelt sich dein vermeintlich gesunder Salat augenblicklich in ein bösartiges Bauchspeck-Wachstumsmittel, ohne dass du es auch nur merkst…Bleib stark!

AUF GAR KEINEN FALL ESSEN!  Wie du das verhindern kannst? Ich als Experte mit jahrelanger Erfahrung als Salat-Diät-Berater kann dir selbstverständlich helfen. Bekämpfe den Salat, noch bevor er dich in die Fettfalle locken kann.

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hmmm…

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Wer bekommt das große Ei? – Dialog am Frühstückstisch

Wer bekommt das große Ei?
 Dialog am Frühstückstisch

Titelbild, Wer bekommt das große Ei

(Auch als Sketch für zwei)

Mann und Frau am gedeckten Frühstückstisch, vor sich hat jeder eine Kaffeetasse, in der Mitte des Tisches zwei Eierbecher, in einem ein großes Ei, in dem anderen ein winzig kleines Ei, die Augen des Paares sind auf die Eier gerichtet

Er: Hm

Sie: Hm?

Er: Ja

Sie: Ja?

Er: Das ist hier die Frage

Sie: Welche Frage?

Er: Lass sie mich so formulieren. Was hattest du im Sinn, als du das Frühstück zubereitet hast, eine bildliche Allegorie für den Begriff der Ungerechtigkeit oder eine Veranschaulichung der ersten Eierlegeversuche einer Junghenne?

Sie: Weder noch, aber es mag wohl als beides zugleich gelten, wenn man so will.

Er: Hm

Sie: Wir wollen jetzt endlich frühstücken. Welches Ei möchtest du denn nun haben?

Er zögert mit der Antwort nachdenklich die Stirn runzelnd, als vermute er eine Fangfrage

Beide schweigen. Schließlich, nach einer Weile

Er: (triumphierend) Welches würdest du empfehlen?

Sie: Wähle selbst. Das große ist wachsweich gekocht und hat wahrscheinlich ein schönes gelbes  Dotter. Das kleine ist wahrscheinlich steinhart und hat wohl gar kein Dotter.

Er: Hm.

Sie: Entscheide dich endlich, die Eier werden kalt!

Er: Gut, dann nehme ich das große.

Sie: Hm

Er: Hm?

Sie: Ja

Er:  Habe ich nun das Falsche gesagt?

Sie: Nein, nein

Er: Aber?

Sie: Naja, ist ja schon ganz schön ungerecht

Er: Womit wir wieder bei der Allegorie wären

Sie: Ach, hör schon auf

Beide schweigen und starren auf die Eier. Schließlich:

Er: Ich hab eine Idee

Sie: Und die wäre?

Er: Wir spielen um das große Ei

Sie: Spielen? Vor dem Frühstück? Und was, bitteschön?

Er: Eine Runde Galgenraten

Sie schweigt nachdenklich. Schließlich:

Sie: Na gut, meinethalben. Aber nur, wenn ich mir das Wort ausdenken darf und du versuchst es zu erraten.

Er: Aber denk dir nicht wieder so ein kryptisches Fremdwort aus.

Sie: Nein, ich hab schon eins und das ist reines Hochdeutsch

Er: Na gut, hier hast du einen Zettel und einen Stift

Sie zeichnet einen Galgen

Sie: Verloren nach sechs falschen Versuchen, ohne zu lösen?

Er:  Abgemacht

Sie zeichnet 38 Striche, zählt nochmals nach, überlegt kurz, zählt nochmals nach.Schließlich:

IMG_5417

Sie: Fertig. Dann leg mal los

Er blickt ungläubig auf das Papier

Er: Was soll das denn werden? Wieder so was wie neulich Hottentottenstotterkindermutter?

Sie: Nein, ich sagte doch, es ist ein ganz normales deutsches Wort. Nun fang schon an, die Eier werden uns am Ende noch kalt bei deinem Tempo

Er: Ja, ich mach ja schon. Aber ich kenn dich ganz genau. Also, (triumphierend) „Y“!

Sie: (ebenfalls triumphierend) Falsch! Würdest du mir vertrauen, hättest du dir DEN Fehlversuch sparen können.

Sie zeichnet einen Kopf an den Galgen

Er: Punkt für dich, dann nehme ich jetzt das „E“

Sie: Na also, offenbar weißt du dann doch, welche Buchstaben in deutschen Wörtern am häufigsten vorkommen. „E“ kommt siebenmal vor.

Sie trägt gemächlich die sieben „E“ ein.

Sie: Fertig, also weiter!

Er: Dann nehme ich als nächstes das „N“

Sie: Keine so gute Wahl, aber immerhin doch zweimal vorhanden

Sie trägt die beiden „N“ ein.

Er: Gut, dann jetzt das „O“

Sie: Du lässt nach! O ist nur einmal vorhanden.

Sie trägt betont langsam das „O“ ein.

Sie: Oooo

Er: Erst hetzt du mich und nun trödelst du selbst so herum. „M“, bitte!

Sie: Mmmöp. Kein „M“ im Wort!

Sie zeichnet einen Strich als Körper an den Kopf

Sie: Das war dann schon Fehlversuch Nummer 2

Er: Wart nur ab. Ich versuche es mal mit „R“

Sie: Schon besser. Fünf Treffer!

Sie trägt die „R“ ein, er starrt dabei angestrengt auf das Papier

Er: Wirklich weiter hilft mir das aber auch noch nicht. Wie sieht’s mit „D“ aus?

Sie: (schnippisch) Tut mir leid, „D“ ist ausverkauft und du hast schon halb verloren, wenn du immer noch keinen blassen Schimmer hast, um welches Wort es sich handelt.

Sie zeichnet einen Strich als Arm an das Galgenmännchen

Er: Ich werde gerade erst richtig warm!  Das „I“ als nächstes!“

Sie: Nur einmal vorhanden

Sie trägt das „I“ ein, er blickt auf das Papier“

Er: Eier, vorne steht „Eier“. So ein langes Wort mit „Eier“ gibt es doch gar nicht!

Sie: Oh doch! Mach weiter!

Er: „K“?

Sie: Nein!

Sie zeichnet den zweiten Arm

Er: Langsam fühl ich mich verkackeiert hier. Sei‘s drum. „A“!

Sie: Zweimal! Vokale sind doch eine gute Wahl, um voranzukommen.

Sie trägt die beiden „A“ ein

Er: Ich brauch keine Ratschläge von  dir. „F“!

Sie: Selbst Schuld, wenn du nie auf mich hörst. Nein, kein „F“. Letzte Chance für dich, mein Lieber!

Sie zeichnet ein Bein an das Galgenmännchen

Er: Dein Wort in Gottes Ohr, also dann „U“

Sie: Zweimal, aber ich will ja nichts gesagt haben.

Sie trägt die beiden „U“ ein.

Er: Das war’s dann aber auch mit den Vokalen. Hm. „P“ vielleicht?

Sie: (triumphierend) Nein! Wenn du jetzt nicht lösen kannst, ist das Ei meins!

Sie malt das zweite Bein an das Galgenmännchen, er starrt auf das Papier.

Er: Nein, kann ich natürlich nicht. Auf deine angebliche Lösung bin ich mal gespannt, das kann ja gar kein reguläres deutsches Wort sein. Unmöglich! Und wenn es keins ist, hab ich gewonnen. Basta!

Sie: Ist es, kannst du mir wohl glauben.

Er: Glauben ist gut, wissen ist besser. Also lös endlich auf!

Sie: (betont langsam) Eier-scha-len-soll-bruch-stel-len-ver-ur-sacher!

Er: Eierschalen-was?

Sie: Sollbruchstellenverursacher!

Er: Wiederhol das!

Sie: (schnell sprechend) Eierschalensollbruchstellenverursacher!

Er: Sowas gibt es nicht, weder so ein Ding, noch das Wort. Und wo haben denn Eier bitteschön Sollbruchstellen?

Sie: Natürlich gibt so ein „Ding“! Kann man überall kaufen und es heißt auch genauso.

Er: Unfug!

Sie: Mitnichten!

Er: Wir werden ja sehen, ich hole jetzt mein Handy und such im Internet nach diesem Eiersollbruchschalending

Sie: Eierschalensollbruchstellenverursacher! Aber keine Handys am Esstisch! Wir wollen hier schließlich in Ruhe frühstücken!

Er: Ich möchte ja endlich frühstücken und hierbei geht es schließlich um MEIN Frühstücksei.

Sie: Na, bitteschön, wenn du mir wieder mal nicht glauben willst, dann hol meinetwegen dein Handy! Aber beschwer dich nachher nicht, dass die Eier kalt sind.

Er verlässt den Tisch und kommt zurück, den Blick auf das Handy gerichtet

Er: (ohne aufzublicken) Eierschalensollbruchstellenverursacher

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Sie: Aha!

Er: (weiter auf das Display blickend) Was soll das denn bitte für ein Ding sein? Man soll da also sein Ei hineinlegen und ihm mit einer Kugel den Kopf zerschmettern? So was Umständliches aber auch. Genau wie der Name! Da muss es doch einen Besseren geben. (überlegt kurz) Eierkopfzerschmetterer? Kugeleierkopfzertrümmerer? Ach, über was für einen Quatsch muss ich mir hier vor dem Frühstück eigentlich Gedanken machen?

Sie: DU wolltest das ja unbedingt nachgucken!

Er wischt mit dem Finger auf dem Display herum

Er: Das wird ja immer verrückter! Die Dinger gibt es auch mit Metall-Eiern oben drauf, um den Eierkopf zu zertrümmern und mit Fußbällen. Mit Fußbällen? Wer will denn sein Frühstücksei mit einem Fußball öffnen)? Was für ein Quatsch! Das macht man einfach mit dem Messer. Zack, Kopf ab und gut!

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Sie: Macht man eben nicht, das gehört sich noch lange nicht, nur weil du es so machst.

Er: Ach, und mit so einem Ding gehört sich das dann eher? Bis ich am Frühstückstisch die Frage ausgesprochen habe: „Schatz, reichst du mir freundlicher Weise mal unseren niegelnagelneuen, schönen, nützlichen Eierschalensollbruchstellenverursacher, bitte?“,  ist mein Ei dreimal kalt geworden.

Sie: Dass er schön und nützlich ist, habe ich nie behauptet, lediglich, dass ich genau weiß, dass es das Wort gibt.

Er: Ja, das gibt es und du trägst ganz schön viel unnützes Wissen mit dir herum, meine Liebe

Beide schweigen, er greift nach seiner Kaffeetasse, nimmt einen Schluck daraus und verzieht das Gesicht

Er: Der Kaffee ist kalt!

Sie: Die Eier auch!

Er: Na toll! Der Tag fängt ja gut an.

Beide schweigen. Schließlich:

Sie: Ich hab eine Idee!

Er: (leicht grimmig) Und die wäre?

Sie: Ich bringe jetzt diese beiden Eier in die Küche und mach heute Abend einen Eiersalat daraus. Und dann koche ich zwei exakt gleich große Eier wachsweich, wie du sie am Liebsten magst. Ach was, am besten gleich vier. Ich habe inzwischen richtig Hunger. Du kochst inzwischen einen frischen, heißen Kaffee für uns. Und dann setzen wir uns hin und frühstücken richtig gemütlich und in aller Ruhe. Was meinst du dazu, mein Schatz?

Er: Ein Hoch auf meine kluge Frau! Du hast immer noch die besten Ideen. Genauso machen wir es.

Beide gehen ab, sie mit den Eiern, er mit den Kaffeetassen

Ende

Du hältst die Episode nicht für realistisch und glaubst nicht an die Existenz eines oder mehrerer Eierschalensollbruchstellenverursacher? Dann überzeug dich selbst. Die Beurteilung der Nützlichkeit eines solchen Haushaltgegenstandes bleibt dabei dir überlassen. Aber wer weiß, vielleicht mag er sich am Ende doch als geeignetes Hochzeitsgeschenk erweisen, zum Beispiel für ein Pärchen, das eigentlich schon alles hat oder für eines, das sich gerne mal darüber streitet, was denn der eleganteste Weg ist, ein Frühstücksei zu öffnen?

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Vielleicht gewinnst du damit nicht unbedingt die Herzen der Beschenkten, aber ziemlich sicher deine nächste Runde Galgenraten: Eierschalensollbruchsellenverursachergeschenkbox!

P.S.: Noch länger als der erbitterte Kampf unseres „Er“ um das Frühstücksei hat die Formatierung in ein halbwegs leserliches Html-Format gedauert.  Falls du den Text gerne zum Ausdrucken hättest, mach dir nicht die Mühe, alles nochmal auszuschneiden und umzuformatieren. Schreib uns gerne an und wir schicken dir den Sketch als druckbare, übersichtliche Pdf-Datei zu.

(Requisiten: 2 Stühle, 1 Tisch, 2 Eierbecher, 1 großes und ein sehr kleines Ei, 2 Kaffeetassen, großformatiges Papier, dick schreibender Stift (Flipchart) (alternativ Kreidetafel), optional Dekoration für einen Frühstückstisch)

Werbung: Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Käufen. Das bedeutet, dass ich eine kleine Provision bekomme, wenn du ein Produkt auf Amazon kaufst, auf das du per Klick über diese Seite gekommen bist. Der Preis für ein Produkt erhöht sich für dich aber nicht!

WeiterlesenWer bekommt das große Ei? – Dialog am Frühstückstisch

Gebrauchskunst

Gebrauchskunst

Du fragst dich, was das hier für ein seltsames Objekt ist? Dann warst du sicher noch nie bei der alljährlichen großen Apfelernte in A. dabei. Im dortigen Obstgarten leben immer die Lämmer des Nachbarn, die von Hand aufgezogen werden mussten und die deshalb keinerlei Scheu vor dem Menschen kennen. Die Apfelgarten-Lämmergang verdient sich in jedem Jahr einen neuen Namen. Mal gibt es „Die dreisten Drei“ oder auch „Die verwegenen Vier“, schlimmstenfalls könnte es auch mal „Die wilde 13“ werden. Eines ist auf jeden Fall immer gleich: Egal wie viele Lämmer es sind oder wie sie heißen, die Äpfel geben sie nicht kampflos her. Aus Eimern, Körben und Schubkarren werden die frischgepflückten Früchte sofort wieder herausgeholt. Und komm ja nicht auf die Idee, sogar Äpfel vom Baum zu schütteln. Beim Aufsammeln verlierst du! Die Äpfel sind weg, bevor du auch nur „Aufsammeln“ buchstabiert hast.

Wir haben alles versucht. Volle Schubkarren mit Jacken abdecken? Fehlanzeige, so eine Jacke hat „schaf“ im Nu von der Karre befördert. Selbst einen Erntehelfer komplett für die Aufgabe „Schubkarrensicherheit“ abzustellen, erwies sich als nur semi-erfolgreich. Die im Herbst zur Erntezeit schon nicht mehr so kleinen und durchaus kräftigen Lämmer versuchen sich mit Knuffen und Stoßen an allem vorbeizudrängeln, was zwischen ihnen und ihren heißbegehrten Äpfeln steht – und wenn sie dann noch von allen Seiten kommen, ist ein Mensch allein so gut wie machtlos.

Und hier kommt nun das abgebildete Kunstobjekt zum Einsatz: die „Apfelbaumattrappe in ergonomisch  angepasster Erntehöhe für das Dithmarscher Schwarzkopfschaf“, an der unser Ingenieur lange getüftelt hat. Sie verschafft dem menschlichen Apfelernter ein Zeitfenster von mehr oder minder exakt zwei Minuten für die Durchführung einer wohlgeplanten, schnellen Ernteaktion. Für diese Zeitspanne sind die Lämmer mit dem Abernten der Attrappe beschäftigt. Nach Ablauf der zwei Minuten muss die Apfelbaumatrappe zunächst wieder neu bestückt werden, um dann eine weitere Blitzaktion durchführen zu können.

Glaub mir, nach dieser Art der Apfelernte weißt du unsere Erfindung zu schätzen und am Abend weißt du auch, was du getan hast – am nächsten Tag wahrscheinlich auch noch. Muskelkater vom Rennen aber auch vom Lachen garantiert!

Video folgt

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Krieg gefälligst den A…llerwertesten hoch!

Krieg gefälligst den A…llerwertesten hoch!

Stühle laden gemeinhin zum darauf Platznehmen ein. „Mach mal eine Pause!“, „Ruh dich aus!“, „Entspann dich!“ „Genieß den Ausblick von einem bequemen Platz aus!“ „Entschleunige etwas!“ Gemeinhin sagen einem Stühle so etwas in der Art.

Lässt du deinen alten Gartenstuhl nur lange genug draußen in Wind und Wetter stehen, wird er nicht nur so unansehnlich wie unser Exemplar hier im Bild, das für die Arbeitspause im Gemüsegarten gedacht war, sondern vielleicht gesellt sich auch eine Brennnessel zu ihm und schlägt mit ihm gemeinsam ganz andere Töne an: „Nichts da, schon wieder Pause machen!“, „ Hoch mit dem Hintern!“, „Die Natur duldet keinen Aufschub, wenn es um ihren Schutz geht!“

Ein bisschen fies ist so ein Brennnessel-Stuhl aber schon. „Nur ein bisschen? Was wäre denn richtig fies?“ Na, stell dir mal vor, du übersiehst die Brennnessel, lässt dich erschöpft in den Stuhl fallen und es ist zufällig der erste Samstag im Mai. „Und was soll daran dann anders sein als an anderen Tagen?“

Der erste Samstag im Mai ist der Welttag des Nacktgärtnerns! Noch Fragen?

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Ach, du dickes Ei!

Ach, du dickes Ei!

Ist das nun eine bildliche Allegorie für den Begriff der Ungerechtigkeit oder eine Veranschaulichung der ersten Eierlegeversuche einer Junghenne? Es kann wohl als beides zugleich gelten. Aber nach dem Fotografieren bleibt dann doch die Frage im Raum stehen, wer nun welches Frühstücksei bekommt. Das große ist wachsweich gekocht mit einem schönen gelben Dotter, das kleine ist steinhart und ein Dotter suchst du vergeblich. Wie, du möchtest das große haben?

… sowas Ungerechtes aber auch!

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Wo versteckt sich das Feldhasenbaby?

Wo versteckt sich das Feldhasenbaby?

Wo verstecken sich denn Feldhasenbabys? Mama Feldhase kommt morgens und abends in der Dämmerung vorbei, um ihre Jungen zu säugen. Dann kommen sie alle aus ihren Verstecken hervor, in denen sie sich den Tag über fast reglos verharrend aufgehalten haben. Meistens sind sie sehr gut getarnt in hohem Gras, einem Laubhaufen oder auch mal unter einem am Boden liegenden Ast. Eigentlich bekamen wir nur dann mal eins der Feldhasenbabys in unserem Garten zu Gesicht, wenn Kormin, unser großer schwarzer Hund uns darauf aufmerksam gemacht hat. Setzte er sich plötzlich und unvermittelt irgendwo aufrecht auf die Wiese und begann leise zu fiepsen, dann hatte er ein Hasenbaby entdeckt. Selbst dann mussten wir noch ganz genau hinschauen, um es zu entdecken und aus gebührender Entfernung vielleicht mal ein Foto machen zu können.

Aber einen der kleinen Hasen haben wir ganz alleine ohne unsere Spürnase gefunden. Das kreative Hasenkind hatte sich nämlich ein ganz spezielles Versteck auserkoren…

Wo versteckt sich denn nun das Feldhasenbaby?

Die richtige Antwort heißt hier: auf dem Baum natürlich!

Ja, tatsächlich auf dem alten Ahorn, in einer für einen so kleinen Hasen doch schon recht großen Höhe hatte er es sich bequem gemacht. Und das Versteck war wohl ziemlich gut. Kormin zumindest hat den kleinen Hasen diesmal nicht bemerkt, obwohl er direkt an ihm vorbeigelaufen ist. Wenn du genau hinschaust, kannst du seine Schwanzspitze links am Bildrand sehen.

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Damenhandtasche vs Bomberjacke

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Damenhandtasche vs Bomberjacke

Titelbild Bomberjacke

Damenhandtaschen werden ja so mancherlei Eigenarten nachgesagt. Einige behaupten sogar, die in den Tiefen derselben befindlichen unteren Sedimentschichten könnten in gleichem Maße von geologischem wie von archäologischem Interesse sein. Zumindest wird ihnen die Eigenschaft zugeschrieben, von innen deutlich größer zu sein, als sie nach außen hin wirken.

Im Einzelfall kann ich das bestätigen. So kannte ich mal eine gewisse Annette, die mich auf diversen Musiksessions im Kieler Schützenpark, auf dem Steg am kleinen Kiel oder auch am Falkensteiner Strand immer wieder damit überraschte, wie sie aus ihrer kleinen, zerknautschten Ledertasche plötzlich warme Pullover für mehrere Personen, ein paar Pelzstiefel und mehrere Flaschen Korn oder Wodka hervorzaubern konnte.

Einzelfälle wie Annette und ihre Handtasche sind vielleicht der Grund, warum ich selber so gut wie nie eine Handtasche mit mir führe. Oft genug habe ich in früheren Zeiten die Erfahrung gemacht, dass männliche Begleiter davon ausgehen, jedwede Damenhandtasche verfüge über derartige Kapazitäten. „Kannst du das kurz mit einstecken?“, hieß es dann und im Nu schleppte ich ein beträchtliches Zusatzgewicht in Form von Portemonnaies, kiloschweren Schlüsselsammelsurien und anderen Utensilien aller meiner Kumpel mit mir herum.

Zudem hatte ich selbst in den Tiefen meiner Tasche nie etwas von Wert finden können, maximal ein klebriges altes Hustenbonbon, das eine untrennbare Verbindung sowohl mit Taschenfutter als auch mit einem alten Tempotaschentuch unbekannter Herkunft eingegangen war.

Also war für mich irgendwann Schluss damit.

Handtasche nur noch im Notfall und dann von außen so klein erscheinend, dass kein Mann und glaubte er noch sehr sehr an das Mysterium des unerschöpflichen Volumens von Damentaschen mehr glauben konnte, sein gerade auf der Tombola gewonnenes Fondueset könne darin leicht Platz finden.

So lebte ich dann glücklich und unbeschwert von dem Ballast männlicher Besitztümer und lernte irgendwann Maik kennen. Der war toll, jung und stark und besaß noch nicht mehr als er selber bequem tragen konnte. Alles war gut, bis zu dem Tag, als er beschloss, sein Eigentum zu vergrößern und zwar um die Jacke.

Sie verkörperte so ziemlich alles, was ich an Jacken inakzeptabel finde – mal abgesehen davon, dass sie schwarz war, was mir ja durchaus gefällt. Aber ein Bündchen in der Taille, ein abnehmbarer Plüschkragen, der nach spätestens drei Tagen so aussah wie ein altes, bis zur Unkenntlichkeit abgeliebtes und abgeschlecktes, verfilztes Kuscheltier, insgesamt die möchtegern-martialische Anmutung einer Bomberjacke, einfach schrecklich. Ich verlieh meiner Abneigung gegen dieses Kleidungstück hin und wieder Ausdruck, vielleicht war es auch jedes Mal, wenn Maik sie anzog und das tat er oft, nicht ohne zu erwidern, dass sie einfach so unglaublich praktisch sei. Das einzige, was mit daran „praktisch erschien“ war, dass sie nach etwa einem Jahr so schäbig aussah, dass ich hoffte, sie nun endlich der Wiederverwertung zuführen zu dürfen, was ich dann auch begeistert verkündete. Leider nicht ganz mit dem erwünschten Ausgang, denn nur wenige Tage später kam Maik nach Hause und präsentierte mir seine neue Jacke. DIE Jacke, die gleiche, nochmal, fast identisch – warum nur? Na, weil sie doch so praktisch ist! Mir blieb nichts anderes übrig, als mich in mein Schicksal zu fügen und unterließ fortan jegliche Bemerkung über das mir verhasste Kleidungsstück. Vielleicht war diese stillschweigende Duldung der Grund, dass Maik mich nach und nach in die von ihm so hoch geschätzte Nützlichkeit dieser speziellen Jacke einweihte.

Es begann mit Kleinigkeiten, die als solche noch nicht unbedingt bemerkenswert waren. Aber wann immer ich unterwegs in den zwei Taschen meiner eigenen Jacke noch vergeblich nach einem Taschentuch oder Hustenbonbon suchte, Streckte er mir das Gewünschte bereits entgegen.

Kugelschreiber und Zettel? Bitteschön.

Taschenlampe? Ja, hier.

Ein Taschenmesser wäre jetzt praktisch – oh, danke.

Jetzt müsste man ein Tüddelband oder Panzertape zur Hand haben. – Was von beidem willst du?

Das war schon ein bisschen bemerkenswert.

Mist ich hab Tampons vergessen! Sekunde…Also wirklich, warum hast du Tampons in der Jackentasche?

Ich lernte zu akzeptieren, dass sich in den zahlreichen Taschen dieser Jacke alles zu materialisieren schien, was ich gerade brauchte oder mir wünschte. Allerdings versuchte ich auch nie, die magischen Eigenschaften der Jackentaschen durch andere, als wirklich dringende Anfragen überzustrapazieren. So habe ich bisher nicht in Erfahrung gebracht, was bei Wünschen wie Goldmünzen, Diamantring oder Aktienpaket geschehen würde. Aber Maik ist ja schließlich auch kein Fischer und ich bin nicht die Ilsebill.

So lebten wir also weiter glücklich und zufrieden, ich weiterhin unbeschwert von männlichen Besitztümern. Die Jacke ist nun wohl schon an die 15 Jahre alt und inzwischen zur Gartenjacke geworden. Hässlich finde ich sie noch immer – aber wahre Schönheit kommt ja von innen, wie einem stets gesagt wird und ich gebe ja zu, dass sie mir das Leben schon oft erleichtert hat.

Aber gestern Abend war ich dann doch kurz verunsichert…

Nach einem langen Arbeitstag im Garten, bei wunderbarem Sonnenschein, aber dennoch frostigen Temperaturen sagte ich ohne irgendwelche Hintergedanken, meine Lippe sei ganz trocken und ich dürfe nicht zu breit grinsen, sonst würde sie sicher aufreißen. Wortlos griff Maik, der gerade erst ins Haus gekommen war, in eine seiner Jackentaschen und zog einen Gegenstand hervor. Ein Seitenschneider? Ich überlasse es euch, euch auszumalen, welche Assoziationen mich überkamen, als ich versuchte einen Zusammenhang zwischen trockenen Lippen und Seitenschneidern herzustellen. Aber wahrscheinlich habe ich zu viele brutale Filme gesehen, als dass andere als gewalttätige Bilder vor meinem geistigen Auge erscheinen konnten. Sollten sich Güte und Hilfsbereitschaft der Tasche etwa in Boshaftigkeit und Grausamkeit verwandelt haben?

Maik hat wohl dieselben Filme gesehen. Jedenfalls grinste er breit – im Übrigen ohne dass ihm die Lippe aufgeplatzt wäre – legte den Seitenschneider auf den Tisch, kramte kurz in derselben Tasche, aus der er ihn gerade hervorgezogen hatte und reichte mir einen Labello. Alles gut – sie funktioniert noch immer.

Aber ich bin abgeschweift – ach, ihr wisst ja, ich kann mich nie kurz fassen, jedenfalls nicht, wenn eine Tastatur vor mir liegt.

Also, Damenhandtasche oder Bomberjacke?

Ganz klar, Bomberjacke!

Frau braucht selber nichts zu tragen, muss nicht daran denken, Dinge für sämtliche Eventualitäten einzupacken und wer findet schon eine Nagelschere oder Panzertape oder überhaupt irgendetwas Nützliches in einem vollgestopften, unübersichtlichen Sack?

Bomberjacken sparen somit Kraft, Zeit und Nerven und dass sie hässlich sind, ist ja schlussendlich das Problem des Trägers… und der bin ja nicht ich.

Sünje

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UgH mit „Sabine“ -Sturmtief 2019-

  • Beitrags-Kategorie:Schreibstübchen

UgH mit "Sabine"
Fazit zum Sturmtief 2019

Titelbild Ugh mit Sabine Sturmtief

Was ist denn UgH und wer ist Sabine? Ersteres ist leicht erklärt. UgH (Urlaub gegen Hand) ist eine tolle Sache, wenn man mal mit kleinem Budget irgendwo im In- oder Ausland Ferien machen möchte. Menschen stellen einem eine Unterkunft und eventuell sogar Logis, während man ihnen im Gegenzug, je nach seinen Fähigkeiten, stundenweise bei bestimmten Arbeiten hilft, sei es nun bei Renovierungsprojekten, bei der Gartenarbeit, Tierversorgung oder was auch immer.

Braucht man selbst Hilfe bei bestimmten Dingen, ist UgH auch eine praktische Sache und mit Chance lernt man dabei sogar noch nette Menschen kennen. So hatten wir es uns auch mit Sabine vorgestellt…

Wer genau denn nun diese Sabine ist, kann ich allerdings auch im Nachhinein nicht so ganz genau sagen.

Eine Woche ist nun her, dass wir Sabine bei uns zu Gast hatten. Vor ihrem Besuch wussten wir nur, dass sie noch relativ jung war, irgendwo aus dem Südwesten kam und nach ihrem Aufenthalt hier nach Süden weiterreisen wollte. Es schien, als würde sie sich als ausgesprochen anspruchsloser Gast erweisen. Sie brauchte keinen Schlafplatz im Haus, sie war wohl eher so der Outdoor-Typ, was uns sehr praktisch erschien, da unser Gästezimmer immer noch nicht fertig ist. Auch an einer Verpflegung durch uns hatte sie kein Interesse. Somit würde sie auch unsere Haushaltskasse nicht strapazieren. Die Aufgaben hier wollte sie ohne Unterstützung unsererseits allein und selbständig erledigen. Alles Pluspunkte für Sabine.

An Arbeitsleistungen hatten wir uns lediglich ein paar Kleinigkeiten gewünscht, schließlich sollte ihr ja auch noch genug Zeit bleiben, sich Dithmarschen ausgiebig anzuschauen. Ein bisschen Brennholz machen, die Fenster vom Windschutz an der Terrasse putzen und etwas Laub beseitigen. Die Sache mit dem Laub, da hatte ich schon im Vorfeld kein so gutes Bauchgefühl. Aus irgendeinem Grund hatte ich so den Animus, Sabine könnte vielleicht eher von der Fraktion „Laubpuster“ sein. Dennoch hatte ich Hoffnung, sie in diesem Falle davon überzeugen zu können, lieber einen Rechen zu benutzen, um Tierchen und Umwelt zu schonen.

So warteten wir also auf Sabine. Gegen Mittag sollte sie eintreffen. Wir warteten. Und dann, plötzlich war sie da. Kein „Hallo“, keine Begrüßung, sie kam einfach und legte los. Okay, wir wollten dann mal nicht so sein. Vielleicht war sie ja auch nicht so der kommunikative Typ? Die Geräuschkulisse, die aus dem Garten zu uns ins warme Haus drang, ließ zumindest erahnen, dass sie äußerst energetisch zu Werke ging. Vielleicht gar ein wenig zu stürmisch?

Als das Getöse von draußen auch in der Nacht nicht nachließ, wurde mir doch schon ein wenig mulmig. Ich versuchte mich zu beruhigen und sagte mir, sie sei wohl eher so ein Nachttyp und schlief schließlich wieder ein, obwohl es klang, als würden im Garten Blitz und Donner mit Hagelschauern wüten. Es gibt ja so Persönlichkeiten, die einfach eine gewisse Grundlautstärke mitbringen.

Die nächsten Tage war das Wetter einfach schauderhaft. Das tat uns natürlich Leid für Sabine, die hier doch schließlich ein paar schöne Urlaubstage verbringen sollte. Aber da aus dem Garten zeitweise keine Geräusche zu vernehmen waren, nahmen wir an, dass sie trotz des Schietwettters ein paar kleine Ausflüge in die nähere Umgebung unternahm. Wir selbst setzten keinen Schritt vor die Tür und warteten bei Kaffee, Tee und Grog auf etwas mildere Temperaturen.

Dann am vierten Tag war sie fort, einfach abgereist, ohne ein Wort. Ein bisschen seltsam, aber vielleicht war sie auch nicht so der sentimentale Typ, der auf tränenreiche Abschiede steht. Schon okay, man soll ja jeden so nehmen, wie er eben ist. Mit ihr war auch das schlechte Wetter verschwunden und der erste lichte Morgen seit Tagen brach an.

„Mensch! Fensterputzen kann die aber wirklich!“, dachte ich als es hell wurde und ich die Scheibe unseres Windschutzes sah. Gut, sie hatte zwar nur eine von drei geputzt, aber die war so spiegelblank, dass es wirkte, als würden die dahinterstehenden Pflanzen durch das Glas auf die Terrasse ragen. Hab ich noch nie so gut hinbekommen. Maik zuckte später nur mit den Schultern und kehrte wortlos die Scherben auf. Er weiß schließlich, dass ich dringend eine neue Brille brauche. Irgendwie kreativ fand ich Sabines Idee, wie man dreckige Scheiben loswerden konnte, dann aber doch – zumindest ein bisschen, kurzfristig…

Später gingen wir in den Garten, um uns anzuschauen, was aus unserem Brennholz geworden war. Der Brennholzstapel lag unberührt da. Hatte Sabine das mit dem Holz nicht mehr geschafft? Nun, nicht so schlimm, war ja alles kein Muss. Vielleicht war sie ja eher nicht so der Holztyp. Auf der Obstwiese stellten wir dann fest, dass sie sehr wohl Brennholz gemacht hatte. Sie hatte nämlich unseren großen Kirschbaum gefällt. Zugegeben, Kirschholz ist natürlich wirklich ganz gutes Brennholz, aber dennoch schade um den alten Baum, wo wir doch kubikmeterweise Holz hier liegen haben, dass nur noch zerkleinert werden müsste. Gut unsere Schuld, dass wir da keine konkreten Absprachen getroffen hatten.

Zudem hatte sie überall auf der Wiese Äste und Zweige ausgelegt. Wir fragten uns, ob das wohl eine besondere, uns unbekannte Technik sei, mit der das Holz schneller trocknen würde oder was sonst für ein Plan dahinter stecken könnte. Fragen konnten wir Sabine ja nicht mehr danach, denn sie hatte keine Kontaktdaten hinterlassen. So tatkräftig sie auch zu Werke gegangen war, die letzte Begeisterung für das Ergebnis ihrer nächtlichen Anstrengungen wollte sich bei uns schlussendlich nicht einstellen. So war ich dann auch recht froh, dass sie zu dem Laub wohl nicht mehr gekommen war. Wer weiß, was für eine kreative Idee ihr dazu vielleicht noch gekommen wäre.

So war das also mit dieser, doch etwas mysteriösen Sabine. Auf solchen UgH-Plattformen tummeln sich eben auch einige eigenwillige Charaktere. Da muss man schon mit rechnen. Und schließlich ist ja alles ganz glimpflich ausgegangen.

Inzwischen ist eine Woche vergangen und ihre Nachfolgerin ist bereits eingetroffen. Sie heißt Victoria, ist auch noch ziemlich jung und kommt wohl gerade von einem Besuch auf Island. Und, was soll ich sagen, irgendwie habe ich ein Déjà-vu …

Nach dieser Sturmgeschichte ist mir richtig kalt geworden, ich mach mir erstmal einen schönen heißen Grog. Möchtest du auch einen? Dann schau doch mal in unser Grog-Rezept

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