Buchfalten-Anleitung Teil 3 – Ein Motiv in ein Buch schneiden und falten

Willkommen zu Teil 3 unseres Buchfalten-Tutorials. In diesem Teil der Buchfalten-Anleitung für Anfänger/Innen zeigen wir dir Schritt für Schritt, wie du ein Motiv in ein Buch schneiden und falten kannst. Du lernst die beiden Buchfalten-Techniken, um ein erhabenes (über dem Hintergrund liegendes) und ein nach innen gefaltetes Motiv zu gestalten. Im Fachjargon: Cut & Fold-Methode, 180°-Faltung nach außen und nach innen.

Das Motiv zum Zeigen und Ausprobieren der Buchfalt-Techniken ist ein einfacher Schriftzug: „Hi!“. Die grafische Buchfalten-Vorlage zum Ausdrucken findest du am Ende der Buchfalten-Anleitung Teil 2, wo du sie dir kostenlos herunterladen kannst.

Viel Freude beim bookfolding, dem Basteln mit alten Büchern und gutes Gelingen!

Deine Blattwerker

Sünni und Maik

Buchfalten-Anleitung: Ein Motiv in ein Buch schneiden

Auf dem Bild siehst du unseren Beispielschriftzug „HI!“ – links nach innen gefaltet, rechts als erhabenes Motiv. Für welche Variante du dich entscheidest, bleibt deinem persönlichen Geschmack überlassen. Zunächst zeigen wir dir, wie du das Motiv in dein Buch schneidest. Das Vorgehen ist bei beiden Buchfalt-Techniken identisch.

Diese Arbeitsschritte solltest du bereits erledigt haben:

Buchfalten-Anleitung Teil 1: Grundfaltung und Festlegung der Einschnitt-Tiefe 

Buchfalten-Anleitung Teil 2: Verwendung der Vorlage und Übertragen des Motivs in ein Buch

Wenn du dein Motiv von der Vorlage auf deine Buchseiten übertragen hast, kann es losgehen. Jetzt kommt die Schere zum Einsatz. Nimm bitte an eine wirklich scharfe und präzise schneidende Papierschere, damit du schöne, gerade und glatte Einschnitte setzen kannst.

Werbung Affiliate Links

Ich empfehle immer gerne die Bastelschere der Schweizer Firma Victorinox, die sich bei mir seit langem bewährt. Ebenso gut kannst du aber auch eine Silhouetten-oder Pinzettenschere verwenden.

N/A

Drehe nun dein Buch am besten so, dass der rechte Buchseitenrand zu dir zeigt und schlage die erste Seite auf, auf der du das Motiv markiert hast. Dort siehst du nun deine beiden Bleistiftstriche, die den Anfang des senkrechten Striches des Buchstaben „H“ anzeigen.

Genau an diesen beiden Markierungspunkten setzt du nun je einen geraden Schnitt Richtung Buchmitte bis genau an die Linie heran, die deine festgelegte Einschnitt-Tiefe markiert. Bei unserem Beispielbuch ist das einmal durch den umgefalteten Buchseitenrand. Der Schnitt muss parallel zum oberen und unteren Buchseitenrand sein. Orientiere dich ggf. auch an den Textzeilen auf deiner Buchseite, damit die Schnitte wirklich gerade werden. Versuche beim Einschneiden möglichst nicht abzusetzen, sondern setze in einem Zug einen einzigen beherzten Schnitt.

So sieht das für den senkrechten Strich beim „H“ aus:

Blättere dann die eingeschnittene Seite nach oben um und setze auf der nächsten Seite wieder die beiden Schnitte. Für den Buchstaben „H“ musst du auf jeder Seite zwei Schnitte setzen. Die unmarkierten Seiten zwischen „H“ und „i“ überblätterst du einfach. Bei dem Buchstaben „i“ und später auch beim Ausrufezeichen werden es dann vier Schnitte, die du auf jeder Buchseite setzen musst.

Sollten dir irgendwann die bereits eingeschnittenen, nach oben geklappten Buchseiten in die Quere kommen, ist es hilfreich, diese zu beschweren, damit sie nicht zurückschlagen können. Nimm dazu einen ausreichend schweren Gegenstand, der deine Buchseiten aber nicht verknicken darf.

Ich verwende dazu am liebsten ein Körnerkissen, weil dieses genug Gewicht hat, um auch 500 oder 600 Buchseiten zu halten. Dennoch ist es weich und flexibel, so dass die Buchseiten keinen Schaden nehmen. Wenn du kein Körnerkissen oder etwas Ähnliches zur Hand hast, kannst du auch eine mit Reis gefüllte Socke zum Beschweren der Seiten verwenden.

Wenn du die letzten vier Schnitte des Ausrufezeichens gesetzt hast, ist auch dieser Arbeitsschritt geschafft und es kann ans Falten gehen. Später wirst du sehr wahrscheinlich das Schneiden und Falten eines Motivs in einem Arbeitsgang erledigen, aber für den Anfang gehen wir mal Schritt für Schritt vor.

Buchfalten-Anleitung: Motiv in ein Buch falten

Jetzt können wir endlich mit dem Falten beginnen, das der Buchfaltkunst  ja schließlich ihren Namen verliehen hat. An diesem Punkt musst du dich spätestens entscheiden, ob du deinen Schriftzug lieber nach innen gefaltet oder als erhabenes Motiv gestalten möchtest. Wir schauen uns zunächst den nach innen gefalteten Schriftzug an und kommen dann zu der Variante „Hi!“ als im Vordergrund liegendes Motiv.

Hilfsmittel zum Falten benötigst du nicht zwangsläufig. Ein Falzbein (bonefolder) oder eine Plastikkarte sind durchaus nützlich zum Glattstreichen der Faltkanten, aber auch mit dem Fingernagel funktioniert das eigentlich ganz gut. Wichtig ist nur, dass deine Faltkanten wirklich richtig scharf werden und nicht etwa noch Rundungen aufweisen.

Buchfalten-Anleitung: Motiv nach innen falten

Ein Motiv nach innen zu falten bedeutet, dass deine Buchseitenränder mit der Grundfaltung als ebene Fläche im Vordergrund stehen bleiben, während das Motiv vertieft im Hintergrund liegt.

Für das Falten heißt das, alles, was zum Motiv gehört, also auf der Vorlage schwarz gedruckt ist, wird nach innen gefaltet und alles, was nicht zum Motiv gehört, wird nicht gefaltet.

Wir beginnen mit dem Falten wieder auf der ersten Seite, die wir eingeschnitten haben, bei dem senkrechten Strich des „H“. Durch das Schneiden sind dort drei Papierstreifen, bzw.-abschnitte entstanden. Der obere und der untere Abschnitt auf der Seite gehören nicht zum Motiv, der mittlere ist der Strich des Buchstaben „H“.

Diesen Abschnitt faltest du jetzt nach innen Richtung Buchmitte um. Öffne bei dem mittleren Abschnitt die Faltung des Randes und klappe ihn um 180° nach innen. Die Faltkante liegt dabei auf deiner Linie der Einschnitt-Tiefe. Streiche die Faltkante sehr gut fest.

So verfährst du mit allen Seiten, auf denen du das „H“ markiert und eingeschnitten hast. Überblättere wieder die nicht-eingeschnittenen Seiten zwischen „H“ und  „i“. Sobald der Buchstabe „i“ beginnt, hast du Seiten mit 5 Abschnitten vor dir. Drei davon gehören nicht zum Motiv, die beiden anderen sind der Anfang der senkrechten Strichs des „i“ und des Punktes. Diese beiden werden nun nach innen gefaltet.

Ebenso gehst du dann auch bei dem Ausrufezeichen vor, das ja hier nichts anderes als ein auf dem Kopf stehendes kleines „i“ ist.

Insgesamt gilt für fast alle Motive: Beim Nach-Innen-Falten verfährst  du mit den Papierstreifen auf deiner Buchseite immer abwechselnd. Der erste Abschnitt auf der Buchseite (egal, ob von oben oder unten anfangend) bleibt stehen, der zweite wird gefaltet, der dritte bleibt stehen, der vierte wird gefaltet und so fort, bis der letzte wieder stehen bleibt.

Bei unserem Übungsmotiv ist es noch sehr leicht zu erkennen, was zum Motiv gehört und was nicht. Wenn die Motive jedoch komplexer und detailreicher werden, ist das nicht mehr ganz so offensichtlich. Merke dir also für später den Ablauf: stehenlassen, falten, stehenlassen, falten,…

Ich zeige dir das mal an einer Seite der Vorlage „Frohe Ostern“, die schon ein paar mehr Schnitte pro Buchseite erfordert.

Wenn du die beiden Abschnitte des Ausrufezeichens auf der letzten eingeschnittenen Seite gefaltet hast, ist es geschafft. Du hast dein erstes kleines selbstgefaltetes Buchkunstwerk geschaffen!

Bevor du es nun direkt an deiner Wohnungstür aufstellst, um deine Gäste zukünftig mit einem freundlichen „Hi!“ zu begrüßen, solltest du dein Buch noch eine Nacht lang pressen, damit sich die Faltungen gut einprägen. Schnüre es dazu mit einem Band fest zusammen oder lege einige dicke Bücher darauf.

Beim späteren Aufstellen kannst du dann entscheiden, wie weit geöffnet dein Buch und wie breit damit dein Schriftzug erscheinen soll. Wenn es nicht in der von dir gewünschten Breite stehenbleibt, sondern immer zu weit aufklappt, kannst du ein hübsches Band oder eine Schleife darum binden und es so in der Breite fixieren.

Wenn dir das „Hi!“ gut von der Hand gegangen ist und du gern mit dem Buchfalten weitermachen möchtest oder du das Nach-Innen-Falten lieber an einem anderen Motiv ausprobieren möchtest, findest du in unserer Sammlung viele Vorlagen, die gut für Anfänger/Innen geeignet sind. Such dir für den Anfang ein Motiv aus, das nicht zu viele Unterbrechungen (Übergänge von Nicht-Motiv zu Motiv) hat, damit du nicht gleich unzählige Schnitte pro Seite setzen musst. Hier siehst du einige der nicht so aufwändigen Buchfalten-Motive:

Buchfalten-Anleitung: Erhabenes Motiv

Kommen wir nun zu der zweiten Variante, die wir dir heute vorstellen wollen: das Gestalten eines erhabenen Motivs. Wie der Name schon sagt, steht dabei das Motiv im Vordergrund und liegt erhaben (über) einem zurückgefalteten Hintergrund.

Beim Falten eines erhabenen Motivs gehen wir also anders herum vor. Alles was nicht zum Motiv gehört, wird nach innen gefaltet, alles, was zum Motiv gehört, wird nicht gefaltet.

Gehen wir also wieder zurück zu unserer ersten markierten und eingeschnittenen Buchseite mit dem Beginn des Buchstaben „H“. Dort haben wir die drei Abschnitte, die durch das Einschneiden entstanden sind. Der obere und der untere gehören nicht zum Motiv, der mittlere ist der Anfang des senkrechten Strichs des „H“.

Das „H“ soll ja nun im Vordergrund stehen, dementsprechend werden die anderen beiden Abschnitte nach innen gefaltet. Öffne also bei diesen beiden Streifen die Faltung des Buchseitenrandes und klappe sie um 180° nach innen Richtung Buchmitte. Die Faltkanten liegen dabei auf deiner Linie der Einschnitt-Tiefe. Streiche diese sehr gut fest.

So gehst du mit allen Buchseiten vor, auf denen du das „H“ markiert hast. Dann folgen die nicht-eingeschnittenen Seiten zwischen dem „H“ und dem „i“. Diese fallen jetzt in die Kategorie „Nicht-Motiv“ und müssen ebenfalls gefaltet werden. Öffne auf diesen Seiten die Grundfaltung und falte den Seitenrand so um, das eine neue Faltkante genau auf der Linie deiner Einschnitt-Tiefe entsteht.

Wenn der Buchstabe „i“ beginnt, siehst du auf jeder Buchseite 5 Abschnitte. Drei gehören nicht zum Motiv, die anderen beiden bilden je den Anfang des I-Strichs und des I-Punktes. Von oben oder unten auf der Buchseite beginnend, faltest du den ersten Abschnitt nach innen, lässt den zweiten stehen, faltest den dritten nach innen, lässt den vierten stehen und faltest den letzten wieder nach innen.

Zum Falten fast aller erhabenen Motive kannst du dir die Faustformel: „Falten, stehenlassen, falten, stehenlassen,…falten“ merken.

Die Ausnahme bilden Vorlagen, bei denen das Motiv direkt am oberen oder unteren Buchseitenrand beginnt. Auch dann werden die Abschnitte  immer abwechselnd gefaltet und nicht gefaltet, aber du musst darauf achten, richtig zu beginnen, damit das Motiv im Vordergrund stehen bleibt.

Alle Seiten, auf denen kein Motiv markiert und eingeschnitten ist, faltest du immer auf die Einschnitt-Tiefe nach innen.

Wenn du die drei Abschnitte auf der letzten markierten und eingeschnittenen Seite gefaltet hast, bist du schon fast fertig. Jetzt solltest du noch alle Buchseiten vor und hinter deinem Motiv auf der Linie der Einschnitt-Tiefe nach innen falten, damit dein Schriftzug „Hi!“ frei steht und gut zur Geltung kommt.

Anschließend schnürst du dein gefaltetes Buch mit einem Band fest zusammen oder beschwerst es mit anderen dicken Büchern, damit sich die Faltungen gut ins Papier einprägen. Nach einer Nacht kannst du dein erstes kleines Buchkunstwerk dann aufstellen.

Bei den Bildern wirst du dir vielleicht gedacht haben, dass der Schriftzug als erhabenes Motiv ein wenig dünn aussieht. Da hast du nicht Unrecht. 100 nummerierte Buchseiten, also 50 Blatt Papier sind schon recht wenig für dieses Motiv. Aber die Übungsvorlage sollte ja schnell und einfach sein. Wenn du dein „Hi!“ nicht nur zum Ausprobieren sondern als Dekoration falten möchtest, wähle lieber die Vorlage für den Schriftzug auf 200 nummerierten Seiten. Dann wird das Ergebnis deutlich besser.

Wenn du gern mit dem Buchfalten weitermachen möchtest, findest du in unserer Sammlung  Motiv-Vorlagen, die gut für Anfänger/Innen geeignet sind. Schau dich einfach mal um und suche dir für den Anfang Motive aus, bei denen du nicht zu viele und zu filigrane Schnitte pro Buchseite setzen musst. Das erkennst du daran, wie viele Unterbrechungen/ Übergänge Nicht-Motiv zu Motiv ein Bild oder Schriftzug hat.

Soviel heute von uns. Wir hoffen, unsere Buchfalten-Anleitung ist verständlich und es bleiben nicht zu viele Fragen offen. Wenn du dennoch an der ein oder anderen Stelle ein großes Fragezeichen im Gesicht hast oder irgendwelche Schwierigkeiten auftreten, schreib uns gern per Mail an oder hinterlasse uns einen Kommentar. Wir versuchen immer gern zu helfen. Auch Tipps, Anregungen und Motiv-Wünsche sind immer willkommen.

Komm uns gern mal wieder besuchen, auf Mein-Blattwerk gibt es regelmäßig neue Vorlagen in verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Für dich natürlich kostenlos und ohne Anmeldung!

Viel Spaß beim Buchfalten, bis bald und alles Liebe!

Werbung: Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Käufen. Das bedeutet, dass ich eine kleine Provision bekomme, wenn du ein Produkt auf Amazon kaufst, auf das du per Klick über diese Seite gekommen bist. Der Preis erhöht sich für dich selbstverständlich nicht!

Schreibe einen Kommentar