Weizengras für Hühner selber anbauen

Glückliche, gesunde Hühner und verbesserte Legeleistung auch im Winter?

Im Frühling und Sommer ist das Angebot an frischem Grün für die Hühner groß. Löwenzahn und andere Wildkräuter finden sich überall und sind eine gern angenommene Futterergänzung. Die Hühner scharren und picken zufrieden, sind gesund und vital und legen fleißig Eier mit schönen gelben Dottern.

Hühner fressen selbst angebautes Weizengras

Im Winter sieht das allerdings ganz anders aus. Da ist das Angebot an Wildpflanzen eher spärlich und das wenige Grün macht eher einen kläglichen, welken Eindruck. Die Legeleistung der Hühner geht meist massiv zurück und die Dotter der wenigen Eier werden zunehmend blass.

Was nun also tun? Aus Spanien importierten Salat und anderes Gemüse zuzufüttern, ist eine Möglichkeit, die zum einem nicht gerade nachhaltig ist und zudem über den langen Winter auch ziemlich teuer wird. Und wie viele gesunde Inhaltsstoffe in so einem Eisbergsalat letztlich noch stecken, der tagelang unterwegs war, bis er auf unserem oder dem Teller der Hühner landet, ist zudem fraglich.

Selbst angebautes Weizengras ist die Alternative: Schnell, einfach, kostengünstig, nachhaltig und so richtig, richtig gesund. Innerhalb weniger Tage kannst du es Zuhause auf der Fensterbank selber ziehen und deinen Hühner auch in der kalten Jahreszeit ein wahres Superfood anbieten. Weizengras ist reich an Proteinen, Vitaminen, Eisen und Calcium. Damit kommen die Hühner gesund durch den Winter und werden es dir wahrscheinlich auch mit mehr Eiern danken.

Hühner bekommen eine Portion Weizengras

So einfach gelingt der eigene Anbau von Weizengras:

Du benötigst:

    • Keimfähige Weizenkörner
    • Lauwarmes Wasser
    • Schüssel
    • Sieb
    • Etwas Erde
    • Flaches Gefäß (Anzuchtschale, altes Backblech, oder ähnliches)

Kurzanleitung:

    • Die Weizenkörner in eine Schüssel mit lauwarmem Wasser geben
    • Über Nacht quellen lassen
    • Weizenkörner am nächsten Tag in ein Sieb schütten und kalt abspülen
    • Erde in das Anzuchtgefäß geben und leicht anfeuchten
    • Weizenkörner darauf verteilen
    • Auf die Fensterbank stellen
    • Erde leicht feucht halten, nur mäßig gießen oder besprühen
    • Nach 10 bis 13 Tagen ist das Weizengras bereit für die Ernte
Weizengrasanbau im Frühjahr

Schritt für Schritt zum eigenen Weizengras:

Woher bekommst du keimfähige Weizenkörner?

Wenn du den Anbau von Weizengras erst einmal ausprobieren möchtest, kannst du einfach auf ein kleines Paket Weizen zurückgreifen, wie du es in fast jedem Supermarkt oder Bioladen bei den Backwaren findest. Meistens ist das eine Menge von einem Kilo, die je nach Größe deines Anzuchtgefäßes für den ein- oder zweimaligen Anbau ausreicht. Wir haben es bisher noch nicht erlebt, dass  Weizen aus diesen Paketen nicht gekeimt wäre.

Hast du aber vor, den Winter über alle paar Tage mal wieder eine neue Charge Weizengras auszusäen oder benötigst größere Mengen für deine große Hühnerschar, werden diese kleinen Packungen schnell zu teuer. Dann empfiehlt es sich, auf Futterweizen zurückzugreifen, den du im Landhandel in Säcken von meist 25 oder 50 Kilo erwerben kannst. Dieser ist wesentlich günstiger und im Normalfall ebenso keimfähig. Im Zweifel fragst du beim Händler nach, ob das Getreide gegen Keimung behandelt ist. Bei Vogelfutter ist das öfter der Fall, behandelter Futterweizen ist uns persönlich aber noch nicht begegnet.

Wenn du möchtest, kannst du deinen Weizen jetzt direkt aussäen. Das Einweichen ist allerdings schon empfehlenswert, da es die Keimrate und vor allem Keimgeschwindigkeit deutlich erhöht. Einen Tag Zeit kannst du dir also dafür lassen, der vorgequollene Weizen wird schneller erntereif sein. Du gibst ihn einfach in eine Schüssel mit lauwarmem Wasser und lässt ihn über Nacht darin stehen.

Am nächsten Tag gießt du das Wasser ab und spülst die Weizenkörner mit klarem Wasser gut durch. Dadurch verringert sich die Gefahr, dass sie anfangen zu schimmeln. Dann ist der Weizen auch schon fertig für die Aussaat.

Ein flaches Gefäß eignet sich am besten als Anzuchtbehältnis. Wir nehmen, was sich gerade findet – ein altes Backblech zum Beispiel. Das Weizengras bildet keine tiefen Wurzeln und du benötigst nur wenig Erde. Welche Erde du verwendest und wie nährstoffreich sie ist, spielt keine große Rolle. Einfache Blumenerde, Gartenerde oder was auch immer du zur Hand hast. Im Grunde würde der Anbau auch ganz ohne Erde auf einem Stück Küchenpapier oder Ähnlichem funktionieren. Aus zwei Gründen ziehen wir das Weizengras aber lieber auf Erde heran.

Zum einen hält die Erde die Feuchtigkeit wesentlich konstanter. Bei der Anzucht ohne Erde, zum Beispiel auf Küchenkrepp, musst du deutlich mehr darauf achten, dass das Ganze weder zu trocken, noch zu nass ist. Zu wenig Wasser lässt deine Keimlinge im Nu verdorren, sind sie zu nass, entsteht schnell Schimmel. Beides bedeutet, die Ernte ist verloren.

Zum anderen verfüttern wir das Weizengras gerne komplett mit den gekeimten Körnern und Wurzeln. Wie ein kleiner Teppich lässt sich alles komplett aus den Anzuchtbehältern lösen und die Hühner haben auch noch eine schöne Beschäftigung, weil sie scharren und zupfen können. Da bleibt am Ende nie etwas übrig. Wenn du trotzdem lieber ein Krepp nutzen möchtest, kannst du das erntereife Weizengras auch einfach abschneiden und dann nur die Halme füttern.

Egal, für welche Methode du dich entscheidest – die vorgequollenen Weizenkörner werden nun gleichmäßig im Anzuchtgefäß verteilt. Das stellst du dann einfach auf die Fensterbank und hast nur noch eine Sache zu tun: auf die Feuchtigkeit musst du immer achten. Das Weizengras nur mäßig gießen oder mit einer Sprühflasche benetzen.

Huhn am Wohnzimmerfenster sieht frisches Weizengras
Henne Pünktchen wartet schon ungeduldig.

Nach zehn bis 13 Tagen sollte dein Weizengras erntereif sein (jedenfalls, wenn du den Weizen hast quellen lassen). Es wird in etwa acht bis zehn cm hoch sein und von einer herrlich, saftig grünen Farbe. Wesentlich länger solltest du auch nicht mit der Ernte warten. Je größer es wird, desto mehr nimmt der Nährstoffgehalt ab. Außerdem können zu lange Halme bei den Hühner zu einer Kropfverstopfung führen, vor allem wenn es abgeschnitten angeboten wird und sie nicht, wie in der Natur, kurze Stückchen abzupfen können.

Nun können die Hühner ihr frisches Grünfutter probieren. Bei uns dauert es maximal zehn Minuten, bis so ein Backblech voll Weizengras komplett vertilgt ist. Gut, wenn dann auf der Fensterbank schon der Nachschub heranreift.

Falls du es mal eiliger haben solltest, noch ein kleiner Tipp:

Auch die Weizenkeimlinge sind ein tolles, natürliches Hühnerfutter. Bis sie so weit sind, dass du sie verfüttern kannst, dauert es meist nur wenige Tage.  Wenn der Spross in etwa die Größe des Weizenkornes erreicht hat, sind die Weizenkeimlinge perfekt. Die angekeimten Körner sind leichter verdaulich für die Hühner als trockenes Getreide und in den Sprossen stecken zudem auch eine Menge Vitalstoffe.

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