Brennnesselsamen ernten – einheimisches Superfood

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Brennnesselsamen ernten – einheimisches Superfood

Es müssen nicht immer Samen und Früchte aus fernen Ländern sein. Viele unserer einheimischen Wildpflanzen haben den heute so modernen Namen „Superfood“ mehr als verdient, weil sie vor wichtigen, gesunden Inhaltsstoffen nur so strotzen. Unsere einheimischen Wildpflanzen stehen uns direkt und ohne lange Transportwege zur Verfügung. Eine, die wir wirklich fast überall finden können, ist die Brennnessel – vielleicht sogar unsere potenteste Heilpflanze. Neben ihren Blättern sind auch ihre Früchte, die meistens als „Brennnesselsamen“ bezeichnet werden, großartige Nähr- und Vitalstofflieferanten – ein einheimisches Superfood direkt aus der Natur. Komm mit uns zum Brennnesselsamen ernten!

Brennnesselsamen ernten für die Selbstversorgung

Was macht die Brennnesselsamen zu einem Superfood?

Was ein Superfood ausmacht, ist natürlich in erster Linie die Menge gesunder Inhaltstoffe. Und bei denen können die Brennnesselsamen ganz schön punkten. Die kleinen grünen Früchte der Brennnessel haben es wirklich in sich. Sie enthalten je nach Boden und Standort 30% -80% Linolsäure (ungesättigte Fettsäuren), etwa 30g Eiweiß auf 100 Gramm Samen, dazu Vitamin A, C und E, Carotinoide, Polysaccharide und Schleimstoffe. Kleine Powerpakete, nicht nur für Sportler und Veganer, die besonders auf eine ausreichende Eiweißzufuhr achten müssen.

In der Naturheilkunde werden den Brennnesselsamen zudem viele gesundheitsfördernde und heilende Wirkungen nachgesagt.  Nicht alle davon sind bislang wissenschaftlich belegt, sondern beruhen auf Erfahrungswerten. Am häufigsten werden sie als gutes Nahrungsergänzungsmittel bei Müdigkeit und Erschöpfungszuständen eingesetzt. Für diese Wirkung spricht auch, dass Rosstäuscher ihren alten, schon etwas schwächlichen Gäulen häufig große Mengen an Brennnesselsamen gegeben haben. Das Superfood brachte die alten Pferde zumindest kurzzeitig wieder in Schwung und führte obendrein zu einem glänzenden Fell. Sie wirkten jünger und vitaler, so dass sich mit diesem Trick für die alten Klepper noch ein schöner Preis erzielen ließ.

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Lust auf mehr von der Brennnessel und anderen spannenden Wildpflanzen? Dann schau dir mal dieses tolle Buch an. Gleich im ersten Kapitel beschreibt Aki Schwarzberger die große Brennnessel als „feurige Aphrodite“ mit allerlei  Wissenswertem, Unterhaltsamen und richtig schönen Rezepten!  Oder wie wär`s mit Kapitel 4. „Gundermann – Just magic!“ von Hildegard Riedmair oder Kapitel12. „Vogelmiere – Lass mich dein Glücksbringer sein!“ von Ulrike Kainz? Absolute Leseempfehlung von uns.

Brennnesselsamen mit schmetterlingspuppe

Andere Beschwerden, bei denen die Brennesselsamen helfen könnten, sind unter anderem Entzündungen, Gicht, Rheuma, Verdauungsprobleme, Haarausfall und sogar Prostatabeschwerden. Bei solchen Erfahrungsberichten ist es sicher einen Versuch wert auszuprobieren, ob unser einheimisches Superfood im Einzelfall Linderung verschaffen kann.

Eine oft dokumentierte Eigenschaft der Brennnesselsamen ist, dass sie lustfördernd wirken soll. Ganz allgemein gesprochen, können sie Antriebslosigkeit entgegenwirken und im Speziellen vielleicht der Libido auf die Sprünge helfen. So war es den Mönchen und Nonnen im Mittelalter von kirchlicher Seite teilweise verboten, die Samen zu sich zu nehmen. Immerhin wurden aus den Brennnesselsamen Potenzmittel und Sexualtonika hergestellt – also nicht gerade förderlich für die Enthaltsamkeit innerhalb der Klostermauern.

Auch bei der Kinderplanung wird den Brennnesselsamen eine förderliche Wirkung nachgesagt. Sie sollen sich positiv auf den Östrogenspiegel auswirken und die Qualität der Spermien verbessern. Wissenschaftlich erwiesen, scheint dies jedoch nicht zu sein.

Du siehst, die Liste der möglichen Wirkungen ist lang, aber auch nicht eindeutig erwiesen. Da geht probieren über studieren. Sicher ist man sich jedoch, was die Inhaltsstoffe angeht. Und die machen es allemal lohnenswert Brennnesselsamen in seine Ernährung zu integrieren. Also wenden wir uns doch mal dem praktischen Teil zu – der Ernte und Verwendung der kleinen grünen Früchte.

Wir ernten im September Brennnesselsamen

Ernte der Brennnesselsamen

Je nach Wetterlage und Standort bilden die Brennnesseln zwischen Ende Juli und Anfang September ihre Früchte aus. Die Blätter enthalten um diese Zeit nicht mehr so viele Inhaltstoffe, die Früchte aber umso mehr. Im Spätsommer ist die Zeit für die Samenernte. Du kannst sie direkt frisch verwenden  oder sie für deinen Wintervorrat trocknen.

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Du hast keine Möglichkeit selber Brennnesselsamen zu ernten oder du möchtest sie erst einmal probieren, bevor du dir die Mühe machst? Brennnesselsamen kannst du natürlich auch fertig getrocknet kaufen. Mit dem Kauf bei der Valdemar Manufaktur unterstützt du die Arbeit der Behindertenwerke der Lebenshilfe, in denen die Produkte von Hand verpackt werden.

Wichtig zu wissen ist, dass die Brennnessel zweihäusig ist. Das bedeutet, es gibt männliche und weibliche Pflanzen. Geerntet werden nur die Früchte der weiblichen Pflanzen. Sie hängen in langen Rispen herunter, die dicht mit Samen besetzt sind. Die Samenstände der männlichen Brennnesseln hingegen stehen waagerecht ab und sind nur spärlich besetzt. Den Unterschied kannst du auf dem Bild (hoffentlich) deutlich erkennen.

männlich und Weibliche Brennnesselsamen

Wir ernten die Brennnesselsamen, wenn sie  eine schöne dunkelgrüne Farbe angenommen haben. Andere bevorzugen die schon braun gewordenen, trockenen Samen. Letztlich scheint das wohl Ermessenssache zu sein. Geschmacklich macht es keinen großen Unterschied, finden wir zumindest. Optisch gefallen uns die grünen Früchte auf dem Teller aber deutlich besser.

Worauf du bei der Ernte in jedem Fall achten solltest, ist, dass du die Brennnesselsamen dort pflückst, wo es möglichst wenige Verunreinigungen gibt. Das heißt, suche dir einen Sammelort aus, der nicht in der Nähe von vielbefahrenen Straßen oder an gespritzten landwirtschaftlichen Flächen liegt.  Das Wetter sollte auch mitspielen – passe einen schönen Spätsommertag ab, damit die Brennnesseln trocken sind. Das erleichtert dir nicht nur später das Trocknen der Samen, sondern macht auch deutlich mehr Spaß als bei Schietwetter.

Für deine Ernte benötigst du ein geeignetes Sammelgefäß, wie zum Beispiel eine Schüssel oder einen Stoffbeutel. Wichtig ist nur, dass es sauber und geschlossen ist, da die Samen schnell ausfallen. Ein Sieb oder Korb ist also nicht geeignet.  Ein paar Handschuhe können auch nützlich sein, falls du empfindlich bist, was die Brennhaare der Nesseln angeht.

Nun streifst du die Samenstände einfach direkt vom Stängel der Pflanze in dein Sammelgefäß – das geht am schnellsten.  Blätter können ruhig noch dabei sein, die sind später leicht auszusortieren. Du wirst sehen, im Nu hast du eine ganz schöne Menge geerntet. Damit geht es dann nach Haus.

Aufbereitung und Trocknung der Brennnesselsamen

Trocknen der geernteten Brennnesselsamen

Zu Hause angekommen empfiehlt es sich, die geernteten Samen noch eine Weile im Freien stehen zu lassen. Erfahrungsgemäß  verstecken sich darin viele kleine Krabbler, die du vielleicht nicht unbedingt mit in deine Wohnung nehmen möchtest. Lass ihnen also etwas Zeit, das Weite zu suchen.

Dann schüttest du deine Ernte auf ein Backblech oder in einen flachen Karton. Wahrscheinlich wirst du sehen, dass sich unten in deinem Gefäß  schon von allein eine Menge der kleinen grünen Brennnesselsamen gesammelt haben.

Knete nun auf  deiner Unterlage die Samenstände mit den Händen leicht durch, damit sich so viele Früchte wie möglich daraus lösen. Wenn du merkst, dass nicht mehr viel herausrieselt, legst du das grobe Material beiseite und sortierst die Blätter aus. So hast du am Ende nur noch die reinen Samen auf deiner Unterlage.

Diese breitest du nun gut aus und lässt sie an einem warmen Ort einige Tage trocknen. Pralle Sonne sollten sie aber nicht abbekommen, damit dir keine wertvollen Inhaltsstoffe verloren gehen. Wende deine Brennnesselsamen ab und an, damit sie wirklich gleichmäßig trocknen können und sich später kein Schimmel bildet.

Wenn du es sehr eilig hast, kannst du die Brennnesselsamen auch im Backofen trocknen. Breite sie dazu auf einem Blech aus und gib sie bei etwa 50 Grad in den Ofen. Wirklich nicht heißer, denn ab 70 Grad werden die Inhaltstoffe deiner Samen zerstört. Der Ofen sollte zudem leicht geöffnet sein, damit die Feuchtigkeit entweichen kann. Wir klemmen dazu einfach einen Holzlöffel in die Ofenklappe. Ab und zu wendest du die Samen, und nach etwa zwei Stunden sollten sie trocken sein.

abfüllen der Brennnesselsamen in Schraubgläser

Abfüllen und Lagern der Brennnesselsamen

Sind die Brennnesselsamen schließlich getrocknet, können sie eigentlich auch schon abgefüllt werden. Manchmal kann es allerdings sein, dass du merkst, dass sich auf deiner Unterlage etwas Staub oder Erde von den Pflanzen befindet. Beides möchtest du wahrscheinlich eher nicht auf deinem Teller finden. In dem Fall gibst du die Samen vor dem Abfüllen noch mal kurz in ein feinmaschiges Sieb, zum Beispiel ein Teesieb und schüttelst es ein bisschen durch. Dann ist der Staub ruckzuck weg und du kannst deine Brennnesselsamen sauber einlagern.

Für die Lagerung eignen sich alle luftdicht verschließbaren Behälter. Wir nehmen zumeist Schraubgläser. Wenn dein Gefäß durchsichtig ist, solltest du es in jedem Fall in einem dunklen Schrank aufbewahren. Du weißt schon… Sonnenlicht und die Inhaltsstoffe werden keine Freunde. Trocken, einigermaßen  kühl und dunkel gelagert halten sich die Brennnesselsamen mindestens ein Jahr bis zur nächsten Ernte, wenn sie bis dahin nicht schon längst aufgebraucht sind. Womit wir dann nun endlich zum Entscheidenden kommen – dem Genuss unseres selbstgeernteten Superfoods.

Superfood Brennnesselsamen – wie und zu was esse ich das denn nun eigentlich?

Brennnesselsam auf einem Käsebrot

Wie und zu was kannst du deine selbstgeernteten Brennnesselsamen denn nun essen? Und wie schmecken die eigentlich überhaupt? Fangen wir mal mit der Frage nach dem Geschmack an, denn darüber haben wir bisher ja noch kein Wort verloren. Und so ganz viele Worte braucht es für die Beschreibung des Geschmacks auch gar nicht, denn er ist ausgesprochen dezent. Ein bisschen nussig, könnte man sagen und ein bisschen „grün“. Brennnesselsamen sind geschmacklich einfach ziemlich neutral.

Wenn sie so vielleicht auch nicht gerade für Geschmacksexplosionen auf dem Gaumen sorgen, hat der dezente Geschmack doch auch einen Vorteil, mit dem sich die anderen Fragen beantworten lassen: du kannst deine Brennnesselsamen einfach zu ALLEM essen. Streu sie wahlweise über dein Müsli, deinen Eisbecher, auf dein Butterbrot oder über deine Gemüsepfanne. Gib sie mit in deinen Smoothie,  in deinen Eintopf oder den Kräuterquark. Stell dir am besten ein kleines Gefäß mit Brennnesselsamen neben Salz und Pfeffer und werte alle deine Gerichte mit einer Prise einheimischen Superfoods ein bisschen auf. Brennnesselsamen vertragen sich mit jeder Geschmacksrichtung.

Nur eins solltest du nicht mit ihnen machen: sie mitkochen oder -backen. Du weißt ja, Temperaturen von mehr als 70 Grad zerstören das, was wir ja gerade haben wollen, die gesunden Inhaltsstoffe.

Noch ein kleiner Tipp: einige Leute mögen den Biss nicht, den die getrockneten Samen haben oder finden, sie würden im Hals kratzen oder fies zwischen den Zähnen hängen bleiben wie Mohnsamen. Falls es dir auch so geht, kannst du die getrockneten Brennnesselsamen sehr gut im Mörser oder mit dem Mixer zerkleinern. Dann gibst du sie einfach als Brennnesselpulver zu deinen Gerichten. Problem gelöst!

Wir wünschen dir gutes Gelingen und natürlich vor allem beste Gesundheit mit deinem einheimischen Superfood!

Bonus: Resteverwertung der Brennnesselsamenernte – Superfood für die Hühnerdamen

Hühner fressen die Reste der geernteten Brennnesselsamen

Da waren ja noch die Reste von der letzten Brennnesselsamenernte. Blätter, Blütenstände und noch eine Menge kleiner, grüner Früchte, die daran klebten. Zu schade für den Kompost – das bieten wir doch mal den Hühnerdamen an. Und schau an – die Hennen finden auch, dass Brennnesselsamen Superfood sind oder zumindest superlecker. Da wurde gepickt und gescharrt, was das Zeug hielt, bis nach kurzer Zeit absolut nichts mehr übrig war. So eine Extraportion Proteine und Vitalstoffe lassen sich auch die Hühner gerne schmecken. Könnt ihr gern mal wieder vorbeibringen, Maik und Sünni!

Was wir in unserem Gemüsegarten sonst noch so anbauen und ernten, kannst du  << HIER >> entdecken.

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